#FrauenStärken

Mit ihrem Working Out Loud-Programm #FrauenStärken rockte Katharina Krentz dieses Jahr die sozialen Netzwerke und brachte Menschen zusammen, die sich etwas zu sagen haben. Tolle Frau! Wir sprachen mit ihr über das #FrauenStärken-Programm, ihre Beweggründe, die kleinen und großen Erfolgsgeschichten und wie es nun weitergehen wird.

Liebe Katharina, wie bist du eigentlich selbst zu Working Out Loud (WOL) gekommen?

Das hat bei mir 2012 angefangen. Damals arbeitete ich schon bei Bosch und uns hat die Frage beschäftigt, wie wir eine Kollaborations-Plattform gestalten können, die es möglich macht, unsere mehr als 400.000 Mitarbeiter*innen weltweit, wie wir Menschen auf einer globalen Ebene in Kontakt bringen können.

Wir entwickelten die Social Collaboration Plattform „Bosch Connect“ und entdeckten Working Out Loud für uns. 2015 startete dann das erste Working Out Loud-Programm mit zehn Pilot Circles. Seitdem ist WOL kontinuierlich gewachsen und seit 2020 in unserer HR-Strategie fest verankert und wir haben mehr als 1000 Circles initiiert. WOL soll Teil der Bosch-DNA werden und wir sehen es als Ziel, 25 Prozent unserer Mitarbeiter*innen zu „WOLlies“ zu machen.

Wir viele Circles hast denn du selbst bis hierhin absolviert?

Ich bin aktuell in meinem elften Circle. Ich habe für mich herausgefunden, dass ich sehr gut in kleinen Gruppen lernen kann und WOL ist deshalb super für mich geeignet. Mein letztes Ziel war es zum Beispiel, in Hamburg anzukommen. Ich bin 2021  in meine Traumstadt gezogen, obwohl ich nach wie vor in Stuttgart arbeite. Ich wollte daher neue, inspirierende Menschen offline kennenlernen und mir hier wieder ein soziales Umfeld aufbauen.

Und hast du das Ziel erreicht?

Auf jeden Fall! Ich habe fünf neue Freundinnen gefunden, die mein Leben bereichern. 😊

Und wie bist du auf die Idee zu WOL #FrauenStärken gekommen?

Ich habe im März 2020, als der erste Lockdown begann, auch in meinem persönlichen Umfeld gesehen, wie schnell vor allem Frauen wieder in die Klischeerollen der Fünfziger Jahre gefallen sind und war sehr schockiert. Etwa 70 Prozent der systemrelevanten Stellen werden von Frauen ausgeführt, d.h. diese sind die Stütze der Gesellschaft. Aber sie werden zum Teil auch richtig schlecht bezahlt und haben sehr wenig Freiräume, um ihr Leben gut zu gestalten.

Das war für mich ein Moment, in dem ich etwas tun wollte. Lena Rogl hat dann angefangen, in einem Altersheim zu arbeiten. Das konnte ich nicht. Aber ich habe auch bemerkt, dass sich viele Frauen in dieser Situation der Kontaktsperre, Home Office und Home Schooling, isoliert fühlten. Ihnen fehlte der Anschluss, die Community, ein diverses Netzwerk. Und da konnte ich helfen. Ich dachte mir, dass das auf jeden Fall der richtige Zeitpunkt ist, um mit WOL #FrauenStärken ein solches Netzwerk zu schaffen. Damit die Frauen sehen, wie wichtig ihre weiblichen Stärken vor allem in so einer Krise sind und damit sie sich gegenseitig unterstützen können.

Und was hast du ganz persönlich aus #FrauenStärken mitgenommen?

Das sind ganz unterschiedliche Dinge. Ich habe auf jeden Fall noch nie so viele emotionale Geschichten so gehäuft gehört und die Entwicklung von so vielen Frauen so nahe miterlebt. Es gibt mittlerweile in unserer LinkedIn-Gruppe knapp 30 Subgruppen, die sich zu speziellen Themen austauschen. Dort sind ganz viele private und berufliche Erfolge zu beobachten. Die Frauen haben sich untereinander so gestärkt und sind sich ihrer eigenen Stärken bewusst geworden. Sie empfehlen sich gegenseitig und vernetzen sich miteinander. Es ist ein großartiges Gefühl, ein Teil davon zu sein. In den WOL-Gruppen sind viele erfolgreiche Frauen, die vorher noch nicht wirklich sichtbar waren, die aber im Vorstand sitzen und die wichtige Führungsposition einnehmen. Sie sitzen nun auf Panels und erzählen dort von ihren Erfahrungen mit WOL,  teilen ihre Geschichten mit dem Hashtag #FrauenStärken. Das zeigt, wie schnell und effektiv sich so etwas skalieren lässt.

Ja, und ganz persönlich hat mich #FrauenStärken auch weitergebracht. Ich habe mein altes Leben hinter mir gelassen, um ganz neu anzufangen. Und in dieser persönlich wirklich schwierigen Zeit war es einfach unheimlich wichtig zu wissen, warum ich morgens aufstehe. Diese wertschätzende Gemeinschaft hat mir sehr viel gegeben.

Gibt es eigentlich mehr Frauen oder Männer, die bei WOL-Programmen mitmachen?

Ich würde sagen 70 bis 75 Prozent der Teilnehmer*innen sind Frauen. Männer vertreten oft die Position, dass sie schon alles können und oftmals ist ein Fakt entscheidend: Den wöchentlichen Circle kann ihnen niemand abnehmen. Sie können das nicht delegieren, sie müssen sich selber damit auseinandersetzen. Und meine Erfahrung ist, dass Frauen da sehr viel offener und neugieriger, veränderungsbereiter und mutiger sind. Sie sind intrinsisch motiviert und setzen den Fokus auf das persönliche Wachstum.

Es haben mehr als 3.300 Menschen an dem Programm teilgenommen. Das klingt nach einer Menge Arbeit. Wie habt ihr euch organisiert?

Ich habe im Juli das Konzept geschrieben und die Role Models akquiriert. Bis Dezember musste dann das Organisatorische geklärt werden. Also Gruppen zusammenstellen, Sponsoring Partner für die technische Abwicklung finden und sowas. Und dann gab es auch eine große Welle auf Social Media. Ich habe bis heute noch nicht alle Benachrichtigungen und Nachrichten abgearbeitet.

Wir waren zu viert und haben etwa 1.500 Stunden in dieses Projekt investiert, denn alleine und ohne dieses Wahnsinnsteam hätte ich das nie auf die Beine stellen können. Dabei haben wir alle sehr viel gelernt, was wir im zweiten Durchlauf wieder nutzen können. Wir möchten uns zum Beispiel noch breiter aufstellen und ein zusätzliches strategisches Team aufbauen, damit sich die Aufgaben besser verteilen.

Es gibt also eine Verlängerung, wie toll!

Ja, im September 2021 wird #FrauenStärken Teil 2 starten. Im ersten Durchgang ging es ja vor allem um die Sichtbarkeit und die gegenseitige Unterstützung von Frauen. Jetzt wird es um feminine Qualitäten gehen, beispielsweise Zusammenarbeit, Empathie, Resilienz, Caring  und Mut. Das sind in der neuen Arbeitswelt wichtige Führungsqualitäten, für Männer wie für Frauen.

In diesem Working Out Loud-Programm wird es darum gehen, sie für sich zu entdecken, zu vertiefen und zu schauen, wo ich sie einsetze, was ich mit ihnen anfangen kann. Wir möchten mit diesem WOL-Programm auch ganz direkt Männer dazu einladen, ihre femininen Qualitäten zu entdecken und zu nutzen. Das zeigt sich dieses Mal auch in den diversen Role Models. Alle die mitmachen möchten, können sich vorab hier registrieren oder auf LinkedIn die Augen nach der Ankündigung offen halten.


Foto von Katharina KrentzKatharina Krentz begleitet und unterstützt mit ihrem Label „Connecting Humans“ New Work-Themen rund um Vernetzung. Sie ist gefragte Speakerin, Begleiterin und Beraterin und gibt sehr praxisorientierte Trainings und Workshops. Zudem ist sie als zertifizierte Working Out Loud (WOL) Coach aktiv und gilt als Begründerin der WOL-Bewegung in Deutschland, seit sie in 2015 die Methode erfolgreich bei der Robert Bosch GmbH eingesetzt, weiterentwickelt und strategisch verankert hat. Dort ist sie hauptberuflich seit 2005 beschäftigt und unterstützt aktuell als Fachreferentin innerhalb der Corporate HR im Transformationsbereich die Bosch Gruppe weltweit in der Digitalen Transformation.