Spielwiese

Raus aus dem Konferenz-Korsett, Schluss mit Workshops, bei denen immer dieselben das Wort anführen und hin zu einem ergebnisoffenen Miteinander – die Eigenland-Methode verknüpft das Motiv des Homo ludens mit modernen Workshop-Techniken.  

Wir sprachen mit Eigenland-Gründer Jan Oßenbrink und einem, der die Methode im eigenen Unternehmen ausprobiert hat: Robin Wunsch, Mitgründer des Digitalisierungspartners GuideCom. 

Spielen und Arbeiten – intuitiv würde man sagen, dass das völlig verschiedene Welten sind. Wie seid ihr darauf gekommen, diese beiden Bereiche in der Eigenland-Methode zusammenzubringen?

Jan Oßenbrink: Der Impuls zur Erfindung der Eigenland® Methode ist direkt nach einem Workshop, bei dem einzelne Menschen die Gruppe zu sehr dominiert haben, wenig neue Erkenntnisse gewonnen wurden, die Freude fehlte und nach dem Workshop zu wenig passiert ist, entstanden. Wir dachten „Das muss doch auch anders gehen“ und haben nach einer innovativen Methode gesucht, die Workshops wirksam gestaltet. Ein interdisziplinäres Team kam auf die Idee, multisensorische und digitale Elemente durch einen spielerischen Ansatz miteinander zu kombinieren, um das Potenzial von Menschen zu entfalten und die Vorteile digitaler Produktelemente zu nutzen. Das war ein Entwicklungsweg, bei dem wir die „Landkarte im Gehen gemalt haben“. 

Gab es Vorbilder?

Jan Oßenbrink: Der Ansatz des „Homo Ludens“, dem spielenden Menschen, hat uns bei der Entwicklung ermutigt. Entsprechend des Erklärungsmodells des Homo Ludens entwickelt der Mensch seine kulturellen Fähigkeiten vor allem über das Spiel und entdeckt die individuellen Eigenschaften. Dies entspricht zu 100% unseren Erfahrungen, selbst bei Menschen, die anfangs skeptisch waren. In diesem Kontext kennen viele Menschen aus Organisationen inzwischen auch die Bücher von Prof. Gerald Hüther und die Möglichkeiten zur Aktivierung und Potenzialentfaltung von Menschen.

Für was steht der Begriff „Eigenland“?

Jan Oßenbrink: Für Unternehmen geht es um Zukunftsfähigkeit und um die Stärkung der eigenen Position am Markt. Aus unserer Sicht kann jedes Team oder jede Organisation als Insel im Meer der Möglichkeiten betrachtet werden. Das Meer (oder der Blue Ocean) steht dabei für alle die eigene Insel (=Team / Organisation) umgebenden Faktoren, zum Beispiel Stakeholder oder Trends. Es geht darum, im Rahmen einer Transformationsreise, die eigene Organisation (= das Eigenland) ideal zu entwickeln.

Viele assoziieren mit dem Begriff Eigenland, sofort die partizipative Eigenland® Workshop Methode. Doch Eigenland® ist weitaus mehr als nur eine Methode. Eigenland® ist inzwischen eine starke Community mit mehr als 650 zertifizierten Beratern, die auf Basis der Philosophie „gemeinsam sind wir erfolgreicher, als jeder allein“ innovative Erfahrungen, Best Practices und Know how miteinander teilen und Transformation und Entwicklung beschleunigen. Das ist ein echter Mehrwert.

Robin, aus welcher Situation hinaus habt ihr euch für einen Eigenland-Workshop entschieden?

Robin Wunsch: Hintergrund war die Entwicklung unserer neuen Unternehmensstrategie. Wir haben uns vor über einem Jahr auf die Reise begeben, um diese in all ihren unterschiedlichen Facetten zu entwickeln. Da uns die Partizipation unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr wichtig ist, war es klar, sie an vielen Stellen miteinzubeziehen. Eine sehr offene Kommunikations- und Diskussionskultur, auch im Rahmen von Workshops, ist bei uns bereits etabliert. Den Ansatz von Eigenland fanden wir daher für unsere aktuelle Situation sehr spannend. 

Jan, kannst du uns kurz erklären, wie ein Eigenland-Workshop abläuft?

Jan Oßenbrink: Bei einem Eigenland® Workshop werden in einem partizipativen Prozess beide Gehirnhälften (Emotionen & Ratio) zur Gestaltung von unternehmerischen Handlungsfeldern mit Freude und Leichtigkeit genutzt.           Konkret bedeutet dies, dass zunächst vorformulierte Thesen von den Teilnehmenden mithilfe von Glassteinen, den sogenannten „Bodenschätzen“ intuitiv bewertet werden. Die Farben der Steine symbolisieren dabei die Zustimmung zu den einzelnen Thesen. Die Ergebnisse werden daraufhin von dem Moderator/in in der Eigenland® App auf einem iPad erfasst. Die App wertet die Ergebnisse sofort aus und visualisiert diese. Gemessen werden die Zustimmung zu den Thesen und die Einigkeit innerhalb des Teams. Unter Anleitung des Moderators/in diskutieren die Teilnehmenden daraufhin die Ergebnisse und entwickeln gemeinsam Ideen und Lösungen. Die Atmosphäre und die Methode unterstützen auch die rationale Diskussion, um schnell und wertschätzend zu Ergebnissen zu gelangen. Zum Beispiel indem die Teilnehmenden automatisch aus der Ich-Perspektive sprechen.

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Robin, kannst du das bestätigen? 

Robin Wunsch: Die Herangehensweise und der Ablauf von Eigenland-Workshops ist natürlich eine ganz andere: Zum einen ist das ganze Setting ja sehr viel spielerischer, so dass sich alle direkt wohlfühlen und mit Feuereifer dabei sind. Man schafft es zudem in einer relativ kurzen Zeit, sehr viele Themen und Sachverhalte von allen bewerten zu lassen. Unterschiedliche Sichtweisen werden hier direkt sichtbar und können in der anschließenden Diskussion besprochen werden.

Bei klassischen Workshops haben auch wir natürlich oft die Herausforderung, dass nicht alle Meinungen Gehör finden bzw. einige lauter sind als andere. Um aber wirklich alle Stimmen zu hören und so jedem eine wichtige Stimme zu geben, eignet sich der Eigenland-Workshop sehr gut. 

Und gab es bei der GuideCom im Vorhinein Vorbehalte, die Eigenland-Methode anzuwenden?

Robin Wunsch: Nein, ehrlich gesagt nicht. Unsere Unternehmenskultur basiert ja auch auf Werten wie Offenheit, Neugierde und Mut – wir freuen uns immer wieder, neue Wege und Ansätze ausprobieren zu können, um noch bessere Ergebnisse zu erzielen.

Im Rahmen der Workshop-Vorbereitung gab es natürlich einige Gespräche mit den Beratern von Eigenland; aber wir waren vom ersten Moment an begeistert von der Methode und waren sicher, dass auch unser Team diese Workshop-Form sehr positiv aufnimmt – was dann auch der Fall war!

Zu welchen Fragestellungen lässt sich die Methode anwenden?

Jan Oßenbrink: Die Eigenland Workshop Methode lässt sich für jedes unternehmerische Handlungsfeld einsetzen – von Erfolgsbild/Vision, Strategie über Innovation, Projektmanagement und Produktentwicklung bis hin zu Organisationsentwicklung, Führung, Team, Vertrieb und Kultur. In der Eigenland® Community gibt es bereits so viele Erfahrungen und Einsatzzwecke, dass ich sicher bin, dass die Methode auch bei jeder Persönlichkeitsstruktur funktioniert.

Was macht das Spielen mit den Teilnehmern?

Jan Oßenbrink: Der spielerische Ansatz der Eigenland® Methode schafft eine lockere und entspannte Atmosphäre. Die Teams fühlen sich in Spielen freier und verbundener und sind neuen Erfahrungen aufgeschlossen. Den Teilnehmenden fällt es dadurch leicht, auch bei komplexen Sachverhalten ohne Zögern eine intuitive Bewertung abzugeben. Die anschließende rationale Diskussion ermöglicht es mit Freude und Leichtigkeit Perspektiven zu teilen, Potenziale zu entdecken und Ideen zu entwickeln. Dank des spielerischen Settings werden auch unbequeme Themen besprechbar und wertschätzend diskutiert.

Macht das Spielen etwas sichtbar, was in einem „normalen“ Workshop verborgen bleibt?

Jan Oßenbrink: Ich bin überzeugt, dass in einer Organisation grundsätzlich alles vorhanden ist, was benötigt wird, um erfolgreich zu sein. Der entscheidende Unterschied zwischen maximal durchschnittlichen Ergebnissen und größtmöglichen Erfolg wird genau dann erzielt, wenn die Erfahrung und das Wissen des Teams sinnstiftend und partizipativ eingesetzt werden. Innerhalb kürzester Zeit werden durch den spielerischen Ansatz und aus dem intuitiven Erfahrungswissen der Teams neue Fakten und messbare Ergebnisse gewonnen und so ein gemeinsames Bewusstsein erzeugt. Das spielerische Setting ermöglicht es, alle Beteiligten an einen Tisch zu holen und jede Stimme und Meinung zu hören. Es gibt also keine beeinflussenden Meinungsführer und klassische Hierarchien, sodass alle Teilnehmenden den Entwicklungsprozess erfolgreich mitgestalten.

Gibt es etwas, was euch in den Workshops immer wieder erstaunt?

Jan Oßenbrink: Erstaunen inzwischen nicht mehr. Es ist ein Glücksgefühl, dass Eigenland® Workshops in unterschiedlichsten Anwendungssituationen immer zu messbaren materiellen und immateriellen Ergebnissen führen und jeden Menschen begeistern, auch die, die vorher skeptisch waren. Dennoch sind wir immer wieder positiv überrascht, welche erlebbare Wirkung aus einem gemeinsamen Bewusstsein entstehen kann und wie sich die Haltung und infolgedessen das Verhalten der Teilnehmenden nach einem Workshop spürbar verändert.

Robin, im März ist die aktive Workshop-Phase zu Ende gegangen. Habt ihr bezüglich der Eigenland-Methode schon ein Feedback von euren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern erhalten?

Robin Wunsch: Ja, tatsächlich sehr viel – sowohl direkt im Anschluss der Sessions, aber auch noch bis heute immer wieder. Da das Feedback ausschließlich sehr fundiert und positiv war, bewerten wir die Methode als sehr passend für uns. 

Aktuell sind wir noch in der detaillierten Auswertung der einzelnen Ergebnisse – aber schon jetzt ist klar, dass die Eigenland-Methode uns auch weiter bei anderen Themen begleiten wird.


Jan Oßenbrink ist Gründer und Geschäftsführer der Eigenland GmbH. Er ist er im Visionary Board der Fuchs von Morgen GmbH und als Beirat in der crossculture Academy zu finden. Außerdem ist Jan Autor und Dozent an der Dualen Hochschule Baden Württemberg. Seine Überzeugung: Orientierung, Sinn und Partizipation aktiviert Menschen und führt zu einer messbaren Potentialentfaltung von Organisationen.

 

 

Robin Wunsch gründete im Jahr 2000 das Unternehmen GuideCom. mit. Er hat 20 Jahre Expertise in der Konzeption und Implementierung digitaler HR-Prozesse, u.a. ist er für die HR-Produktlinie „Magellan“ verantwortlich. Seine Schwerpunkte: HR Role Models, Prozessgestaltung, User Experience, Innovation, agile Organisationen, Shared Services, Change Management