Slow Business

In Stiefeln rund um den Müggelsee laufen, am Telefon visionäre Pragmatiker auf den Pfade des nachhaltigen Arbeitens führen oder einfach eine Auszeit nehmen: Jesta Phoenix ist Slow Business Coach und lebt ihre Methode des intuitiven Zeitmanagements. Ein Interview mit der pragmatischen Visionärin.

Liebe Jesta, du nennst dich selbst einen Slow Business Coach. Worin liegt der Unterschied zu anderen Business Coaches?

Mir geht es gar nicht so sehr darum, mich gegen andere abzugrenzen. Mir ging es wirklich darum, etwas zu schaffen, nach dem ich selbst gesucht habe. Und zwar jemanden, die als Business Coach dabei hilft, mir meine Art des Arbeitens so zu erschaffen, das sie zu allem passt, was mein Leben ausmacht: zu meinen Werten, zu meinem Business, zu meiner Familiensituation, zu meinem Biorhythmus. Und das „Slow“ darin war eigentlich aus diesen Begriffen „Slow Food“ und „Slow Travel“ genommen, wo es darum geht, vom Einfachen das Beste zu nehmen, also eher in Qualität zu genießen, anstatt in Quantität.

Und dann das wenige Ausgesuchte, das Wesentliche, dann aber auch wirklich fett aufzutischen, in dem Sinne: deine eigene Art des Arbeitens, deine Werte. Darum ging es mir, das hatte ich nach der ersten Elternzeit mit meiner Tochter gesucht und hatte dann entweder Leute gefunden, die eher Business Consulting gemacht haben, also die mit mir meine Zahlen angeguckt haben, was sicher auch alles seinen Stellenwert hat. Aber ich dachte so: Nein, darum geht es mir nicht. Und bei den in Richtung therapeutisch arbeitenden Life Coaches ging es darum, meine Kindheit anzugucken und das brauchte ich auch nicht. Sondern ich wollte einfach jemanden, der mich in meiner Arbeit unterstützen und das Gesamt-Ich mit reinnimmt. Das suchte ich damals und das biete ich nun als Slow Business Coach selbst an.

Eigentlich kommst du aus der kreativen Ecke. Du hast viele Jahre als Schreib-Coach und im Bereich Creative Writing gearbeitet. Wie bist du zum Business Coaching gekommen?

Das ist spannend, denn ich bin da so richtig reingerutscht. Ich habe acht Jahre lang an der Open University unterrichtet und durfte dort eben auch kostenlos studieren. Ich habe dann einen MBA angefangen und gleich beim ersten Modul, das hieß „Creativity, Innovation and Change“, ging es auch ganz viel um New Business, also um neue Ideen: „Wie arbeiten wir?“, „Wie wollen wir diese Welt ökonomisch auf die Beine stellen?“, „Was hat das mit Nachhaltigkeit zu tun?“. Ich war dann zum Präsenzseminar in Amsterdam, da waren Leute aus aller Welt, und das waren alles so eingefleischte Businessleute und ich kam aus dem Theater. Und ich sage immer, ich komme da her, wo wir die Schuhe ausziehen und uns umarmen. Und irgendwie hat es einfach perfekt harmoniert und ich dachte, „Hey, das passt hier! Ich bin hier die bunte Tante.“ Aber für die Leute, die bereits in der Wirtschaft sind, bin ich auch genau das. Wir ergänzen uns da prima und ich habe ja immer gesagt, ich bin so die pragmatische Visionärin und ich habe immer wieder die Erfahrung gemacht, ich ergänze mich einfach gut mit visionären Pragmatikern. Also mit denen, die eher im linearen Denken sind, die aber mit einer großen Lebensverliebtheit durch die Welt gehen, also am Wochenende ihren VW-Bus ausbauen oder irgendwo auf dem Land noch einmal ganz groß etwas aus dem Boden stampfen.

Und ich bin wirklich Träumerin und Visionärin. Ich gucke immer, „Hey, warum nicht?“ und bin darin aber trotzdem sehr strukturiert und bodenständig, ganz klar und mit Fokus. Und so hat sich das eine mit dem anderen einfach ergänzt und irgendwann habe ich für mich eben auch persönlich gemerkt, dass ich das Schreiben gern wieder ganz für mich hätte und nicht mehr zu dem machen möchte, was meine Miete und mein Essen zahlt. Aber dieses Begleiten von anderen in Prozessen, was ich ja als Dozentin für Kreatives Schreiben die ganze Zeit gemacht habe, das nehme ich jetzt einen Schritt weiter. Ich habe dann noch einmal die Ausbildung zur Business Coach gemacht. Diese Ausbildung rundete vervollständigten meine acht Jahre an der Open University. Dort habe ich meine Studierenden ganz individuell in ihren Prozessen begleitet, und ich durfte auch sehr, sehr viele gute Weiterbildungen, sehr inklusiv, genießen.

„Intuitives Zeitmanagement“ ist ein wichtiges Schlagwort in deiner Arbeit. Was genau lässt sich darunter verstehen?

Ich konnte mit dem Begriff „Zeitmanagement“ nichts anfangen und wollte es dann „Art des Arbeitens“ nennen. Aber es ist ja immer gut, die Leute da abzuholen, wo sie in ihrem Verständnis schon sind und das Wort, was am meisten benutzt wird, ist „Zeitmanagement“. Aber ich wollte es trotzdem auf den Punkt bringen: Es geht mir nicht darum zu sagen: „Schau mal, das ist die Methode, quetsche dich da rein“, sondern: „Fange bei dem an, was für dich sowieso schon funktioniert, dann guck, wofür du es brauchst, geh von dir aus“. Nicht so mit dem Rücken zur Welt, sondern „So bin ich, so ist die Situation, das sind die Herausforderungen, das sind die Anforderungen und ich geh von mir aus da hin und kriege mich so hin, dass ich mich unterstütze, bei dem, was ich von mir erwarte, was ich von mir verlange, in meiner Business-Situation“.

Wenn ich mit Menschen arbeite, dann frage ich sie, was sie schon tun und was für sie funktioniert, oder auch, wie sie es tun und wann sie denken, so geht es gar nicht. Und es ist meistens schon sehr nah dran, wie es für uns perfekt ist. Es braucht dann noch einmal ein paar Stellschrauben, aber wir arbeiten meist sehr intuitiv schon nach dem, was unser persönlicher Arbeitsstil ist. Ob wir zum Beispiel Krähe oder Schmetterling sind, also ob wir eine Aufgabe nach der anderen abarbeiten, oder mal hierhin oder dahin schauen. Das ist das, was uns motiviert, so arbeiten wir nach unserem Biorhythmus. Alle diese Sachen passen für mich in das intuitive Zeitmanagement mit hinein und es ist eben gut, sich selbst zu kennen und sich selbst da abzuholen, wo wir sind. Es geht ja nicht darum zu fragen, was wir für das Zeitmanagement tun können, sondern was das Zeitmanagement für uns tun kann- und das ist eben immer sehr persönlich.

Du schaust als Slow Business Coach eben auch darauf, wie die Arbeit sich in das individuelle Leben deiner Klient*innen einpasst. Wie viel Anteil hat diese Lebensberatung in deinem Coaching?

Ich glaube, es geht gar nicht ohne. Es ist immer persönlich, es sind immer andere Dinge, die mit reinspielen: Was ist deine Familiensituation? Was ist dein Kinderwunsch? Wie lebst du, wie möchtest du leben? Wo kommt dein Verständnis von Arbeit her? Wie wir arbeiten, hat ja auch viel mit unseren Werten zu tun. Diese Werte haben wir mal irgendwann mitbekommen und das liegt meist sehr tief. Diese Sachen spielen mit rein, stehen dabei aber immer in zweiter Reihe. Es geht wirklich darum, immer wieder zur Frage zurückzukommen: Wie möchtest du jetzt arbeiten? Und ich finde, es gibt genug andere, die sich ganz auf das Privatleben beschränken, bei mir kommt es immer wieder zu der Frage zurück: Was heißt das jetzt für dein Business? Was heißt das für dein Arbeiten? Das bleibt da natürlich nicht hängen, unsere Arbeit ist ja nicht irgendetwas Fernes von uns. Nichts, wo wir unser Leben in der Garderobe abgeben, um arbeiten zu gehen und nach Feierabend das Leben wieder abholen, auch wenn sich das für manche so anfühlt. Wir sind ja immer wir, deswegen ist das eine vom anderen gar nicht zu trennen, auch wenn bei mir als Business Coach der Fokus ganz klar auf deiner Art des Arbeitens liegt.

Eines deiner besonderen Angebote ist das Walk & Talk-Coaching, bei dem du mit deinen Klient*innen um den Müggelsee und durch den Wald läufst. Warum hast du dich für dieses Format entschieden?

Ganz einfach: Ich kann nicht lange stillsitzen. Ich habe in meiner Coaching-Ausbildung ein Feedback immer wieder bekommen: „Jesta, alles ist toll, aber was gar nicht geht, du hampelst herum, das kann die Klienten echt ablenken!“ Ich arbeite hauptsächlich am Telefon und lauf dabei manchmal herum, weil ich mich dann einfach besser konzentrieren kann. Wenn mein Körper auch etwas tut, sozusagen sich all diese überschüssige Energie in irgendeine Bewegung ablädt, dann kann ich besser zuhören, denken und mich emotional einfühlen.

Das ist der Auslöser gewesen. Der Grund ist, dass es super funktioniert. Für die Leute ist so ein Treffen immer eine geballte Ladung, und dann hilft es, viel Raum drumherum zu haben. Ich wohne in Friedrichshagen, das hat sich alles so angeboten, ich hätte das Skript nicht besser schreiben können. In den drei Stunden, die wir da durch den Wald gehen, laufen wir Schulter an Schulter. Wir schauen in die gleiche Richtung und sitzen uns nicht gegenüber. Es gibt viel mehr Raum für Stille, man kann auch mal was nicht sagen. Wenn du dir im Raum gegenüber sitzt, ist das vielleicht schwerer. Wir laufen dabei, was sowieso ein ganz anderes Denken ermöglicht und andere Lösungsmöglichkeiten eröffnet. Und für viele ist es schon etwas Besonderes, einfach mal hier rauszukommen, überhaupt erstmal wieder mitzukriegen, welche Jahreszeit  gerade ist. Wenn du durch einen Wald läufst, an einem großen See lang, dann ist das jetzt kalt.  An den Bäumen siehst du, „Hey, es ist Herbst!“. Das verbindet dich noch einmal viel mehr mit deinen Basics, also was dich als Mensch ausmacht. Und die frische Luft und dein Körper, dem ist kalt oder warm, das unterstützt dich dabei, noch einmal einen neuen Lösungsweg zu finden, weil der bisherige einfach so nicht mehr funktioniert.

Wie sieht denn deine Klientel aus? Läufst du, provokativ gefragt, mit klassischen Anzugträgern durch den Wald, die kurz vor dem Burnout stehen?

Wenn du damit Leute meinst, die auch in den Führungsebenen sitzen und viel Geld verdienen, dann ja. Burn-Out ist immer wieder ein Thema, ich bin aber eher mit denen unterwegs, die nach dem Burn-Out sind. Es gibt viele, die in Therapie waren, wo auch krasse körperliche, gesundheitliche Probleme entstanden sind, und die dann wieder den Weg zurück finden möchten ins Arbeitsleben, ohne sich gleich wieder gegen die Wand zu fahren. Die Frage nach dem Übergang, wie sie ganz konkret wieder zurück ins Arbeiten kommen, die kommt in den meisten Therapieansätzen nicht wirklich vor.

Die Leute kommen aus den verschiedensten Gründen zu mir, der Hauptgrund ist aber schon, dass sie das, was sie tun, einfach sehr gerne tun, aber einfach merken, dass sie sich, wenn sie auf die Art und Weise weitermachen wie bisher, gegen die Wand fahren. Aber da haben sie es noch nicht so klar, was es jetzt braucht und was die Stellschrauben sind. Und sie stellen sich die Frage, warum sie es nicht einfach so tun können, auch wenn sie es vielleicht eigentlich besser wissen.

Aber eine ganze andere Perspektive auf die Frage: Ich laufe schon mit mehr Männern als mit Frauen. Oder andersherum: Die meisten Männer, die mich als Slow Business Coach buchen, laufen mit mir auch durch den Wald, weil es vielleicht nochmal einfacher ist, weil es draußen ist, weil es das Laufen hat und weil es diesen anderen Abstand hat. Wenn schon Coaching, dann draußen. Und umgekehrt gibt es auch ganz viele, die eigentlich weit weg wohnen und die dann für einen Tag nach Berlin kommen. Die haben dann mein Basis-Coaching-Paket gebucht, in dem sie sich auch das Walk&Talk-Coaching haben. Die machen sich dann einen schönen Tag in Berlin, mit mir laufen sie einen halben Tag durch den Wald und nehmen sich einfach diese Zeit, das gibt es auch.

Die klassischen Anzugträger gibt es nicht und ich glaube, wir müssen heute auch keine Anzüge mehr tragen, um kurz vor dem Burn-Out zu stehen. Das sind gerade eher wir Selbstständigen, die das Gefühl haben, „Jetzt mache ich schon, was ich will, jetzt nehme ich mir schon heraus, diese Arroganz, etwas zu machen, was mir Spaß macht, woran ich glaube, worin ich Sinn sehe, dann bringe ich mich auch wirklich bis zum Anschlag“. Das sind eher die, die vor dem Burn-Out stehen. Zu mir kommen eher diese Sinnarbeiter, die Visionäre auch, die einfach nicht mehr können. Die sich dann immer wieder aufraffen für ihre Idee, dann arbeiten merken, dass es so nicht läuft. Für die ist es meist auch ein weiter Weg, sich für ein Coaching zu entscheiden. Also überhaupt für sich selbst zu sorgen, ist dann schon eine Riesennummer.

Es kommen auch viele Eltern zu mir, vor allem Väter, die irgendwie losgelaufen sind mit ihrer Partnerin und die Idee hatten, alles gleichberechtigt zu machen, der Arbeitsmarkt hat es dann aber nicht hergegeben. Das heißt dann „Ich wollte 50 Prozent Vater sein, ich wollte meine Kinder nicht nur am Wochenende sehen oder dann nachts schlafend im Bett, nicht erst spät nach Hause kommen, aber der Arbeitsmarkt gibt es nicht her. Wir haben uns jetzt in unserem Leben eingerichtet, es braucht einen Hauptverdiener, das ist jetzt an mir hängen geblieben und das passt hinten und vorne nicht. Ich habe meiner Frau gegenüber ein schlechtes Gewissen, die jetzt ihre Karriere geopfert hat, das sollte so nicht alles sein, wie kann es jetzt sein?“ Das ist auch ein sehr häufiges Thema.

Hat sich die Arbeitsmoral in den vergangenen Jahren verändert, so dass sich mehr Menschen die Frage stellen, welchen Stellenwert die Arbeit in ihrem Leben haben sollte?

Ich glaube in jedem Fall. Also zum einen, weil es unmenschlich schwer geworden ist, also auch gerade dieses Thema Erreichbarkeit, Work-Life-Balance-Bullshit, da glaube ich nicht dran. Ich glaube, dass das immer mehr Menschen entdecken und sich diese Frage stellen, auch im Sinne des Klimawandels, auch im Sinne von Nachhaltigkeit: Wie können wir selbst uns erhalten, also auch unser Business, unsere Idee, und nicht nur für die Wirtschaft selbst, sondern für uns selbst? Das was wir in die Welt bringen wollen, unsere Projekte, unsere Visionen, wie können wir das in einer Art tun, die zu uns selbst passt? Wir haben einerseits diesen jahrelangen Fortschritt, mit dem wir uns die Arbeit erleichtern können. Aber unser Konzept von der Arbeit ist nicht schnell genug mitgewachsen, damit das eine noch zum anderen passt.

Und deshalb glaube ich, dass all die Ideen um New Work, die greifen schon sehr tief und immer weiter, also nicht nur in Randgruppen, sondern das geht jetzt tiefer, in alle Bereiche. Ich habe auch Klienten aus großen Konzernen, inzwischen bin ich gar nicht mehr so die bunte Tante, wie ich es vielleicht noch vor zwanzig Jahren gewesen wäre. Inzwischen fragen wir uns halt immer mehr: Wie möchte ich arbeiten und was möchte ich mit meiner Arbeit in die Welt bringen? Wie bin auch ich eines dieser Dinge, die ich nachhaltig erhalten möchte?

Du sagst auch: „​Ich glaube an das glückliche Arbeiten als Basis dafür, dass wir etwas von nachhaltigem Wert schaffen.“ Das klingt sehr schön und vor allem nach einem neuen guten Arbeiten. Wie organisierst du denn selbst dein Leben am Rande des Müggelsees?

Ich arbeite sehr phasenweise nach Bauch und nach Zyklen. Wie ist gerade meine Energie? Wo stehe ich gerade in einem Projekt ? Damit fahre ich inzwischen ziemlich gut. Ich habe keine To-Do-Liste, ich habe kein Plan, sondern ich stehe wirklich morgens auf und frage mich: „Was ist heute dran?“. Und das passt für mich. Manchmal pushe ich mich auch weiter als notwendig, da sind meine Ambitionen größer als meine körperliche Kraft. Es gibt dann aber auch Tage, da bleibe ich einfach im Bett liegen und lese. Und dann gibt es Tage, da arbeite ich bis 22 Uhr , weil ich gerade in etwas drinnen bin, was in die Welt hinaus will. Da vertraue ich diesem Intuitiven. Fest sind meine Auszeiten, die ich mir direkt nach dem Jahreswechsel blocke.

Du ziehst dich auch immer wieder komplett aus der Öffentlichkeit raus, gehst während eines Digital Detox längere Zeit offline. Und als du das bedingungslose Grundeinkommen gewonnen hattest, hast du deine Klient*innnen teilweise den Preis für deine Leistungen bestimmen lassen. Das ist für einen Business Coach ungewöhnlich, oder? Warst du schon immer so frei in deinem Tun oder gab es einen speziellen Anlass?

Ich komme wirklich von einer anderen Ecke. Ich war nie die, die im Anzug herumgelaufen ist, dann ein Burn-Out hatte und dann entdeckt hat, dass es auch anders geht. Ich war schon immer so, nicht aus Überzeugung, sondern ich kann nicht anders. Ich bin in der zwölften Klasse abgegangen und habe ein externes Abi gemacht, weil ich es nicht geschafft habe, jeden Tag zur Schule zu gehen. Es war dann für mich einfacher, mich autodidaktisch vorzubereiten. Auch mein ganzer Weg ist nicht geplant, ich bin einfach immer nur meiner Gegenwart treu und ich glaube, das hat sich bei mir so ergeben. Das klingt vielleicht so, als wenn ich damit schon immer glücklich war, aber nein: Das Freie war schon immer da, ich dachte nur, ich krieg es nicht auf die Reihe und habe mich meist klein mit Hut gefühlt. Was sich verändert hat, ist, dass ich mehr und mehr Frieden damit gefunden habe, dass ich nun so bin und dass das gut so ist und dass das meine größte Stärke ist. Das erspart mir eine Menge verplemperter Energie, weil ich mir nicht selbst eine reinhaue und sage „So macht man es doch nicht!“.

Zum Schluss die Frage: Wie sieht für dich glückliche Arbeit aus, die nachhaltig wirkt?

Glück ist für mich der Punkt, wenn ich morgens aufwache und mich auf einen neuen Tag in meinem Leben freue, egal ob es Montag oder Dienstag, Winter oder Sommer ist. Es muss nicht immer alles leicht, gut und schön sein, aber es ist einfach mein Leben und es passt zu mir. Das ist für mich glücklich sein. Und glückliche Arbeit, die nachhaltig wirkt, ist immer dann vorhanden, wo diese Balance stimmt, zwischen kurzfristig und langfristig. Langfristig nach meinen Visionen arbeiten, kurzfristig so, dass ich all das bekomme, was ich jetzt brauche: Dass das Geld stimmt, dass es mir körperlich und emotional gut geht und dass die Menschen um mich herum stimmen. Und wenn es nicht so ein Entweder – Oder ist, sondern Sinn und Vergnügen sich die Waage halten, dann ist das das Einzige, was für mich in meinen Augen nachhaltig lange wirkt, so dass wir uns unsere Arbeit erhalten können.


@Sabine Kristan FOTOGRAFIE

Jesta Phoenix lebt in Berlin und bietet seit 2015 als Slow Business Coach intuitives Zeitmanagement für pragmatische Visionäre.
Vorher war sie Dozentin für Kreatives Schreiben an der Open University und schrieb für Film und Theater.