Quadratur des Lebens

Mit seinem neuesten Buch „Erfülltes Leben“ gibt uns Friedemann Schulz von Thun nicht nur die Möglichkeit, das eigene Leben gebührend zu wertschätzen und für die Zukunft auch neu zu gestalten. Er verbindet dies auch mit sehr persönlichen Einblicken in sein eigenes Leben, beginnend mit seiner Kindheit, die alles andere als eine „leichte“ war. „Erfülltes Leben“ ist also praktisch zweierlei, eine interessante Biografie von und über Schulz von Thun und eine Anleitung zum Zufrieden-Sein und Zufrieden-Werden mit der eigenen Lebensbiografie für jede Leserin und jeden Leser.

Für wen das Buch ist

Ich habe dieses Buches aus beiden Blickwinkeln, Biografie und Anleitung, mit großer Freude gelesen und gerade diese Verknüpfung ist es, mit der mich Schulz von Thun „gepackt“ hat und wodurch diese Anleitung für jede*n handhabbar wird. Wenn du also noch ganz am Beginn deines Lebens stehst: Dieses Buch ist für dich, denn es kann dir Orientierung geben, wie du dein Leben ausrichten kannst, damit es zu einem voll und ganz erfüllten Leben wird.

Und wenn du, wie ich, die eine Lebenshälfte bereits gelebt hast und (hoffentlich) noch eine weitere vor dir liegt: Dieses Buch ist für dich und genau jetzt ist ein perfekter Zeitpunkt, um dich zu orientieren und ggf. neue Schwerpunkte im Leben zu setzen.

Und wenn du dich, wie Schulz von Thun, auf der Zielgeraden deines Lebens befindest: Dieses Buch ist auch für dich, denn du wirst am Ende der Lektüre dein Leben mit anderen Augen und mit Sicherheit mit größerer Dankbarkeit und Wertschätzung betrachten.

Quadratur des Lebens

Damit uns allen dies gelingen kann, hat Schulz von Thun, der Erfinder des Wertequadrats und des Kommunikationsquadrats, ein, wie er meint, „kleines“ Modell entwickelt, das wenig überraschend, ebenfalls in einem „quadratischen“ Ansatz daherkommt. Mit den vier Feldern des Quadrats, α, β, γ und δ, ergänzt um einen Mittelkreis ω, gibt uns Schulz von Thun eine praktische Anleitung für eine jeweils ganz besondere Sicht auf unser eigenes Leben:

Hinter jedem Buchstaben verbirgt sich dabei eine bestimmte Lebensqualität.

  • Bei α dreht sich beispielsweise alles um die Wunscherfüllung mit der dahinterstehenden Frage, „Was hat sich für mich in meinem Leben erfüllt?“.
    Das können Wünsche, Sehnsüchte, Träume sein, die ich mir Kraft meiner eigenen Leistungen erfüllt habe oder solche, bei denen ich einfach „Glück“ hatte, weil sie mir das Leben geschenkt hat.
  • Bei β steht die Sinnerfüllung, der Lebenssinn, im Zentrum der Betrachtungen. Hier steht die Frage „Was hat sich durch mich erfüllt?“ im Vordergrund.
    Dabei geht es nicht (nur) um Beiträge, die die Welt verändert haben, sondern das kann sich auch im Kleinen abspielen.
  • Hinter γ verbirgt sich die biografische Erfüllung. „Was ist berichtenswert aus meinem Leben?“. Welche Schlüsselszenen, Erfolge, Kämpfe, Niederlagen, Wunden, Momente von Glückseligkeit habe ich erlebt.
    Es geht hier also um den Ereignis- und Erlebnisreichtum in unserem Leben.
  • Das letzte Viertel im Quadrat, δ, ist der Daseinserfüllung gewidmet. Und für mich war dies der erstaunlichste der vier Quadranten.
    Das Kapitel nimmt seinen Anfang mit dem Hinweis auf das schiere Wunder unserer Existenz. Was für einen Staunen, dass es uns überhaupt gibt!
    Für mich stellt die folgende Empfehlung von Schulz von Thun den Kern dieses Kapitels dar: „Beten, als ob alles von Gott abhinge – und handeln als ob alles von mir abhinge.“. Wie toll ist das denn?
  • Bleibt noch ω, die Selbsterfüllung. In diesem Kapitel geht es um unsere Einmaligkeit, das was uns im Wesenskern ausmacht und welche Verheißung und Aufgabe in uns steckt und die wir zum Leben erwecken sollen. Das Potenzial, was in uns steckt, in jeder/jedem Einzelnen auf ihre/seine ganz individuelle Weise.

All diese Aspekte lassen sich immer auch im Alltäglichen entdecken. Es gilt, wie im ganzen Buch übrigens, den Fokus auf das eigene Leben, den eigenen Einflussbereich, zu legen und sich nicht z. B. mit einem Martin Luther King oder einem Johann Sebastian Bach zu vergleichen. Schulz von Thun nennt es „das Drama im Alltäglichen entdecken“.

Was wirklich zählt

Insbesondere zwei Werkzeuge nutzt Schulz von Thun immer wieder, um einen praktischen Zugang zu den verschiedenen Aspekten zu erhalten: Das innere Team und das Wertequadrat (s. die beiden Extra-Kästen). Diese erweisen sich für die Auseinandersetzung mit den eigenen Lebensumständen als sehr hilfreich.

Das Innere Team

Häufig melden sich in bestimmten Situationen zwei oder mehr Stimmen in uns, die durchaus im Widerstreit zueinander stehen können. Es lohnt sich dann, diese Stimmen, die nicht alle laut und klar verständlich sind, zu Wort und miteinander ins Gespräch kommen zu lassen. Nach einer Phase der Ermittlung dieser inneren Persönlichkeiten, in deren Verlauf sie einen sehr sprechenden Namen und eine Kernbotschaft erhalten, kann mit diesem inneren Team auf verschiedene Arten weitergearbeitet werden, z. B. durch Ordnen des Teams, Auswählen bestimmter Protagonisten, „innere“ Aufstellung etc., bei dem sich oft überraschende und in den allermeisten Fällen sehr hilfreiche Erkenntnisse ergeben.

 

Der Einsatz des Werte- und Entwicklungsquadrats zeigt Schulz von Thun an einem ganz wunderbaren Beispiel und zwei Gedichten – „Stufen“ von Herrmann Hesse und „Stammsitz“, eine „Gegenrede“ von Schulz von Thun selbst als Antwort darauf geschrieben. Hesses Stufen ist eine Hymne auf den Abschied und damit verbunden den Neubeginn, was ohne die „Gegenschwester“, wenn man es mit Abschied und Neubeginn übertreibt, zu Entwurzelung und Ruhelosigkeit führen kann.
In Schulz von Thun regte sich beim wiederholten Lesen dieses Gedichts seine „Gegenschwester“ und hat sich Gehör in seiner (unbedingt lesenswerten!) Gegenrede verschafft. Diese Gegenschwester, Heimatverbundenheit oder Wurzelbildung, stellt ebenfalls eine Qualität dar, die es wert ist, gelebt zu werden. Und das Schöne daran ist, es geht nicht um ein „entweder … oder“, sondern um ein ausbalanciertes „sowohl … als auch“, die das Leben bereichert und ein Abdriften in die Übertreibung verhindert.

 

Das Wertequadrat

Das Wertequadrat bietet uns die Möglichkeit, uns innewohnende gegensätzliche Tugenden, auch in ihrer Übertreibung darzustellen und davon ausgehend zu schauen, wie sich diese „Gegenschwestern“ in eine fruchtbare Koexistenz gebracht werden können.

Ein Beispiel:
Hier zeigen sich die „Gegenschwestern“, Sparsamkeit und Großzügigkeit, mit ihren Übertreibungen, Geiz und Verschwendung. Die Entwicklungsmöglichkeiten bestehen hier, neben der Verbindung von Sparsamkeit und Großzügigkeit auch in den Entwicklungsmöglichkeiten von den Übertreibungen in die gegenüberliegende, gemäßigte „Gegenschwester“.

 

Diese und weitere kleine Übungen, wie beispielsweise das 4-Felder-Modell oder die Lebenskurven zu unterschiedlichen Aspekten (Gesundheit, Glückseligkeit, beruflicher Erfolg, Geld, …) machen das Buch zu einem inspirierenden und gleichermaßen praktischen Helfer.

Nur schade, dass nach 200 Seiten schon wieder Schluss war!

Leseempfehlung

Hier geht’s zum Buch.

Mir hat das Buch große Lust gemacht, auf mein eigenes Leben zu schauen. Dafür hatte ich die Gelegenheit, mich zum Jahreswechsel für eine Woche zurückzuziehen und ohne Ablenkung, mich mit diesen Fragen auseinanderzusetzen. Und das war eine Zeit mit sehr spannenden, herausfordernden und schönen Momenten!

Seine ganze Kraft wird das Buch insbesondere dann entfalten können, wenn du Unterstützung durch einen mit den im Buch verwendeten Werkzeugen vertrauten Coach erhältst, der dir hilft, diese ehrlich und offen anzuwenden. Aber auch im Selbststudium bietet es genügend Anregungen und Hilfe, um die Fragen nach einem erfüllten Leben mit den Aspekten „Was hat sich schon erfüllt?“ und „Was soll sich für mich noch erfüllen?“ zu beantworten.

Und genau das wünsche ich dir beim Lesen dieses Buch auch! Und natürlich viel Spaß dabei, einen neuen und auch erstaunten Blick auf dein eigenes, erfülltes Leben zu werfen!


Ulrich Ackermann ist Abteilungsleiter in der Bundesdruckerei GmbH und Systemischer Coach. In seinem Leben ist der Wandel die große Konstante. Nach dem Studium zum Diplom-Physiker wurde er zunächst Lehrer. Nach einigen Jahren entdeckte er seine Leidenschaft für die Software-Entwicklung und entschied sich für einen Wechsel aus der Verbeamtung in die freie Wirtschaft. Als Tester, Entwickler, Architekt, Projektleiter und Führungskraft für Teams mit bis zu 200 Mitarbeitenden bringt er mehr als 20 Jahre Erfahrung aus diesem Bereich mit. Seit 2021 arbeitet er auch als Systemischer Coach. In seiner Freizeit macht und hört er gerne Musik, liest alles was ihm in die Finger kommt und Schweden ist sein Panama.

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