Kollaboration ist Bereitschaft in den Köpfen

Wir haben uns mit Klaus de Winder von „de Winder Architekten“ getroffen, um mit ihm über die Anforderungen an Arbeitsräume, über Kundenwünsche und natürlich über „New Work“ zu sprechen.

  

Das Thema „Raum“ ist im Kontext von „New Work“ eines, das immer relevanter wird. Aber erst einmal: was ist denn Deine oder Eure Definition von „New Work“?

Dass es New Work nicht gibt. Gibt es dann auch Old Work? Ab wann soll New Work den „gelten“? Diese ganzen Themen sind ja nicht neu. Schon vor 50, 60 Jahren hat man überlegt, wie Zusammenarbeit anders/besser gehen kann. Das erste „Open Office“ gab es 1890! Entwicklungen wie Arbeitsprozesse sind immer dynamisch, daher gibt es keinen klaren zeitlichen Bruch, ab wann etwas neu ist. Wir tun uns mit dem Begriff schwer, Altes Arbeiten vs. Neues Arbeiten.

 

Wieso brauchen wir neue/andere Räume? Was läuft oder lief in der Gestaltung von Arbeitsräumen schief? 

Wir brauchen ANDERE Räume. Schief läuft in dem Sinne eigentlich nichts weiter, Paradigmenwechsel ist sehr vielschichtig, daher gibt es auch nicht DIE Räume, sondern jede Gestaltung ist eine individuelle und muß auf die Bedürfnisse der Arbeitsabläufe Rücksicht nehmen.
Im Moment haben wir viele Anfragen, bei denen es darum geht, Räume für „agiles Arbeiten“ zu gestalten. Dazu gibt es dann Mood-Boards mit Fotos von „Bälle-Bädern“. Oder mit mehr Grünpflanzen wird es dann ein „Green Office“. Oder die Unternehmen glauben, daß sie mit „coolen Räumen“ ihre Mitarbeiter halten können oder neue gewinnen. Das ist aber alles nur Dekoration. Wenn ich Arbeit wirklich verändern will, dann geht es um eine andere Haltung. DIE versuchen wir dann zu verstehen und entsprechend in Architektur umzusetzen. Es geht darum, Kontexte, Zusammenhänge zu begreifen – und nicht einzelne Möbelstücke.

 

Wie geht Ihr mit der Fragestellung „offene Räume für mehr Kollaboration/Austausch/Transparenz versus Bedürfnis nach Ruhe/Rückzug“ in Euren Raumgestaltungen um? 

Kollaboration entsteht nicht zwangsläufig in offenen Räumen. Kollaboration findet zunächst als Bereitschaft in Köpfen statt. Was bin ich bereit, an Informationen und Wissen weiter zu geben ohne jegliche Eitelkeiten von gehortetem Wissensvorsprung. Räume können Kollaboration maximal atmosphärisch fördern oder beeinflussen. Daher versuchen wir zunächst, die Arbeitsabläufe zu verstehen, um dann die ‚richtigen’ Räume für den Workflow zu generieren. Diversität und Respekt von Privacy führen zu unterschiedlichen Konzepten. Ruhe und Rückzug kann eben auch am Arbeitsplatz stattfinden, dafür Kollaboration/Austausch/Transparenz in eigenen Räumen.

 

Was sind für Dich/Euch richtig gut gelungene Raumprojekte, die Ihr gesehen habt?

Besonders gelungen finde ich immer noch das Centraal Beheer in Apeldoorn von 1972 des Architekten Herman Hertzberger. Das war seiner Zeit weit voraus.

 

 

Was ist für Dich/Euch das Büro der Zukunft? Wie werden wir in 10-15 Jahren arbeiten? 

Da New Work derzeit stark von der Millennial-Generation geprägt wurde, und in 10 bis 15 Jahren eine neue Generation die Strukturen und Bedürfnisse prägen wird, lässt sich für mich im Moment keine Prognose stellen. Abzusehen ist aber, dass es wieder mehr hin zu den individuellen Arbeitsplätzen gehen wird, die auch in Einzelzellen abgebildet werden können. Und allgemeine Bereiche werden zu Kommunikations- und Werkstattzonen.

 

Und würdet Ihr Euch eigentlich als „Enfants Terribles“ bezeichnen? Und wenn ja, wieso; wenn nein, wieso nicht.

Folgt am der direkten Übersetzung, sehe ich uns nicht als „schreckliches Kind“ oder Außenseiter. Im Sinne von „Les Enfants Terribles ist eine Plattform für Menschen, Unternehmen und Projekte, die dieses neue und achtsame Arbeiten jetzt schon realisieren und/oder unterstützen. Wir wollen sichtbar machen, was es gibt, was wo stattfindet, wer mit wem arbeitet.“ und „Es ist ein Netzwerk von Menschen, die sich gegenseitig inspirieren, austauschen, beraten und helfen.“ würde ich sagen Ja natürlich sind wir ein Enfant Terrible und immer auf der Suche nach Inspiration und Austausch mit Menschen, die am Puls der Zeit leben und arbeiten.

 

Wer mehr zum Thema Veränderung von Arbeitsräumen von lesen will, für den haben wir hier ein „Plädoyer für ein neues Gebilde“ von Klaus de Winder.

Und hier gibt es noch ein Video über das Centraal Beheer-Gebäude.

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von

Hallo! Ich bin Marion, die Gründerin von LES ENFANTS TERRIBLES, einer Schule, Initiative und Community für gutes neues Arbeiten. Ich berate und unterstütze Menschen, Teams und Unternehmen auf ihrem Weg zu einem besseren Miteinander im Job. Und außerdem liiiiebe ich Bücher, alte Autos und die Berge.

Comments (2)

  1. tiptop-video. 1972!

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