drei bücher von … julia

Auch in dieser Ausgabe möchten wir euch wieder drei Bücher von einem Les Enfants Terribles-Mitglied vorstellen. Dieses Mal kommen die Buchtipps von Julia Kropf.

D ie Corona-Pandemie bot viel Anlass über die Rolle von Frauen zu sprechen. Über Gleichberechtigung auf gesellschaftlicher Ebene und über Partnerschaftlichkeit bei der Aufteilung von Arbeit und Care-Arbeit. Vermutlich ist es „Eulen nach Athen tragen“ bei den Enfants Terribles mit diesem Thema zu kommen… Trotzdem glaube ich, es gibt noch sehr viel zu tun.

In den letzten Monaten sind eine Reihe von Büchern erschienen, in denen bekannte – und wie ich finde großartige! – Frauen ihre persönliche Geschichte mit den gesellschaftlichen Entwicklungen ihrer Biografie verknüpft haben. Diese persönlichen Beispiele finde ich deshalb so beeindruckend, weil sie sehr unmittelbar und nahbar zeigen, was es noch zu tun gibt. Wo es an so vielen kleinen und großen Dingen noch hapert und uns vor Augen führt, wo Frauen – immer noch (!) – Gefahr laufen, zu stolpern. Welche Energie Frauen aufwenden müssen, um Dinge zu erreichen, die für Männer viel selbstverständlicher sind. Ja, das ist bekannt. Aber eben lange noch nicht gelöst. Und es ist ungerecht.

Jutta Allmendinger: Es geht nur gemeinsam. Wie wir endlich Geschlechtergerechtigkeit erreichen.

Es geht nur gemeinsam!“ sagt Jutta Allmendinger. Und ich gebe es sehr gerne zu: Ich bin großer Fan von Jutta Allmendinger, weil sie in meiner ganz persönlichen beruflichen Wahrnehmung so oft „die Erste“ in Positionen war – und deshalb ein absolutes Rolemodel. Geboren 1956 beschreibt sie ihren beruflichen Weg, der immer auch geprägt ist von der Vereinbarkeit der beruflichen Rolle mit der der Mutter eines Sohnes. Es ist mal kein Fachbuch von ihr – und doch verknüpft sie auf sehr leicht lesbare Weise wissenschaftliche Fakten mit ihrem persönlichen Erleben und ihren Entscheidungen.

Sie habe  oft „Glück gehabt“, sagt sie. Und alleine das beschreibt sicherlich schon ganz gut, wie wenig selbstverständlich ein Weg wie der ihre war – wenn wir heute immer noch über „gleichen Lohn für vergleichbare Erwerbsarbeit“ und den „Anteil von Frauen in Führungspositionen“ sprechen (müssen). Letztlich geht es bei der Gleichberechtigung zwischen Frauen und Männern um eine gerechte Gesellschaft, sagt Jutta Allmendinger. „Wir alle profitieren von einer gerechteren Gesellschaft. Wir alle müssen uns dafür einsetzen. […] Letztlich geht es nur gemeinsam.“ Das ist sicherlich nichts bahnbrechend Neues, aber eine leichte und trotzdem eindrückliche Lektüre.

Janina Kugel: It’s now. Leben, Führen, Arbeiten. Wir kennen die Regeln, jetzt ändern wir sie.

Aktuell lese ich „It’s now“ von Janina Kugel, bis Anfang 2020 Personalvorständin der Siemens AG. Ich bin noch nicht ganz durch. Aber auch hier gefällt mir die Verknüpfung der persönlichen Lebensgeschichte als Frau und Mutter mit der Rolle der Führungsperson. Es geht ihr dabei immer im Kern um die Frage, wie wir Veränderungen in der Arbeitswelt (nachhaltig) gestalten. Und natürlich sind auch viele ihrer Erkenntnisse nicht neu. Die Verknüpfung mit ihrer persönlichen Geschichte macht aber auch hier deutlich, wie wenig selbstverständlich solche Wege sind und wie sehr die Transformation der Arbeitswelt genau davon abhängt: (Flexible) Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Menschen sich gut, respektvoll behandelt und wertgeschätzt fühlen – und das eben auch besonders als Frau.

Worum es Janina Kugel auch geht, ist Mut: „Den größten Mut braucht die Person, die etwas startet. Etwas, woran noch niemand im Umfeld gedacht hat. Unter der Gefahr, maximal blöd dabei auszusehen, und mit hoher Wahrscheinlichkeit, verspottet zu werden. Bis ein weiterer Mensch mitmacht.“ Das passt grandios zum Enfant Terrible-Prinzip. Janina Kugel nennt es, sich als „komischer Vogel“ fühlen. Ich sauge sie gerade auf, die Geschichten „komischer Vögel“. Wir brauchen definitiv mehr „komische Vögel“ oder Enfant Terrible und es tut (mir) gut, von diesen Beispielen zu lesen.

Glennon Doyle: Ungezähmt

Ein „komischer Vogel“ – keine Ahnung, ob Glennon Doyle das von sich behaupten würde. Mit hoher Wahrscheinlichkeit ja. „Ungezähmt“ ist sie auf jeden Fall. Bis auf die Knochen ehrlich mit ihren Schwächen und Unzulänglichkeiten. Und dabei einfach stark. Ihre Geschichte ist bestimmt auf ganz andere Weise besonders als die der anderen beiden Frauen. Es geht um die Frage, warum Frauen schon als Mädchen – oft – in ein enges Korsett gezwängt werden. Es geht um Erwartungen, Regeln und das innere und äußere Gefängnis. Es geht um Glennon Doyles Weg raus aus diesem Korsett. Klar, es ist speziell. Es geht dabei auch um ihre Phobien und Süchte, um ihr Bekenntnis zu ihrer Frau. Was so toll ist an dem Buch ist, wie sie den Leser und die Leserin mitnimmt auf dieser Reise. Immer wieder Beispiele und Erlebnisse beschreibt und damit deutlich macht, wie sehr die Frage, wie frei wir leben, von unseren Entscheidungen abhängt.

Ja, es ist auch manchmal pathetisch. Aber so von Grund auf ehrlich, roh und direkt, so Nagel-auf-den-Kopf-treffend – auch wenn das eigene Leben womöglich komplett anders (verlaufen) ist. Ich musste Glennon Doyle einfach von der ersten Seite an mögen. Auf einer der letzten Seite heißt es: „Ich werde nie wieder bleiben – weder in einem Raum noch in einem Gespräch, in einer Beziehung oder Institution, die von mir verlangt, mich selbst im Stich zu lassen. Wenn mein Körper mir die Wahrheit sagt, glaube ich ihm. Ich vertraue mir, deshalb werde ich nicht mehr freiwillig oder stumm oder lange leiden. […] Und dann stehe ich auf, rolle meine Matte zusammen und verlasse den Raum – langsam, bewusst und mit leichten Schritten. Weil mir eben wieder eingefallen ist, dass draußen die Sonne scheint, eine sanfte Brise weht und dass diese Türen nicht mal abgeschlossen sind.“

So.


Bereits in der Serie „Drei Bücher von …“ vorgestellt:

Drei Bücher von … Marion
Drei Bücher von … Martin
Drei Bücher von … Franziska
Drei Bücher von … Gerhild
Drei Bücher von … Luca
Drei Bücher von … Sabine
Drei Bücher von … Christiane
Drei Bücher von … Nunni
Drei Bücher von … Dejan
Drei Bücher von … Ralph

Mehr Buchempfehlungen findet ihr auch noch hier in unserer Bücherliste.

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