Auf unbekannten Wegen

Da stehe ich nun, auf der Kreuzung Angst, Ecke Aufregung. Immer wieder in meinem Leben komme ich da an und bleibe stehen, wie ein Reh im Lichtkegel. In dem Moment denke ich immer wieder, dass nur ich mich dahin verlaufe. Alle anderen in meinem Umfeld scheinen auf der Autobahn Richtung Ausfahrt „Erfolg“. Gehe ich nun vorwärts, durch das Gefühl von Angst, Scham und Verletzlichkeit oder drehe ich mich um, renne in Sicherheit, zu Altbekanntem und komme nicht vom Fleck?

Aber warum stehe ich denn nun auf dieser Kreuzung zwischen Angst und Aufregung? Weil ich mich ohne nachzudenken gemeldet habe, als mittwochs.online einen Artikel zum neuen Podcast von Brené Brown suchte? Weil ich in einer neuen Stadt lebe, in der ich nur wenige Menschen kenne? Weil ich auf einmal Workshops gebe und dabei Manager*innen in Kinderzimmern, Wohnzimmern und Abstellkammern sehe? Weil ich nicht weiß, was die Zukunft bringt, noch nicht einmal ob die Welt während ich das hier schreibe, noch die gleiche ist, wenn der Artikel in dann online geht…

In der ersten Folge ihres neuen Podcasts „Unlocking Us“ spricht die Professorin und Autorin Brené Brown genau darüber: wie es uns geht, wenn wir zum ersten Mal Dinge tun. Sie erzählt von ihren „first fucking times“ (FFT). Brown beschreibt wie es ist, wenn sie neue Dinge ausprobiert, alles hinschmeißen und rufen will: „das ist doch bullshit!“. Sie teilt aber auch ihre Strategie und Theorie, dass wir erst durch Verletzlichkeit fahren müssen, um am Ende bei Mut anzukommen. 

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Wir alle kennen diese Situationen, haben besonders jetzt während er Corona-Krise mindestens drei solcher Baustellen gleichzeitig. Deshalb spricht Brené Brown so vielen Menschen aus der Seele. Ihr TED Talk über „The power of vulnerability” wurde schon mehr als 46 Millionen mal angeklickt. Mit Humor und Geschichten aus ihrem Leben, aber auch mit Fakten und Zahlen (schließlich forscht sie an der Universität Houston) zeigt sie uns, dass Leben bedeutet, verletzlich zu sein. Dass wir nur dann echte Verbindungen zu anderen Menschen aufbauen können, wenn wir uns zeigen, wie wir sind, auch wenn wir uns schämen oder genieren. Weil sie sich in ihren Vorträgen und ihrem Podcast öffnet, fühlt es sich an, als würde eine alte Vertraute mit uns sprechen. Ihre Verletzlichkeit und Offenheit ist ihre Stärke.

Was mache ich nun mit meiner Angst? Ich schreibe den Artikel fertig und schicke ihn ab. Da Ihr ihn lest, ist das auch passiert. Ich gehe auf Menschen in meiner (virtuellen) Umgebung zu, auch wenn wir uns derzeit nicht nahekommen dürfen. Ich erzähle in meinen Workshops davon, dass auch ich im Chaos sitze, das Kind die Berge an Schulaufgaben nicht alleine packt und auch ich Angst um meine Liebsten habe. Gerade jetzt brauche ich die Verbundenheit zu anderen, um die Zeit gut zu bestehen und zu sehen welche Kräfte alle in uns stecken.

Brené Brown ist die führende Forscherin auf dem Gebiet von Scham, Verletzlichkeit, Mut und Selbstwertgefühl. Nachdem sie Sozialarbeit an der University of Texas at Austin studierte, wurde sie dort 2002 promoviert. Heute lehrt sie an der University of Houston. Eines ihrer größten Verdienste ist es, negativ konnotierte Gefühle wie Scham und Verletzlichkeit aus der Tabuzone zu holen, um zeigen, dass sie die Voraussetzung für Weiterentwicklung und Kreativität sind. Brené Brown veröffentlich zu diesen und weiteren Themen Schriften und Filme und hält Vorträge. Einem breiten Publikum wurde sie durch ihren TEDx-Auftritt „The Power of Vulnerability“ im Jahr 2010 bekannt.  

 


Hallo! Ich bin Katja Kruschwitz vom Bodensee, Trainerin, Moderatorin, Beraterin online, wie offline. Ich arbeite mit Leidenschaft, Humor und Spaß daran, dass das Leben wertschätzender, achtsamer und kollaborativer wird. Wenn ich nicht hier bin, bin ich in den Bergen.