Zum Jahresende geht’s nach innen

Der Dezember ist ein guter Moment, um über das zu Ende gehende Jahr zu reflektieren. Für mich hat dieses schnelle und herausfordernde Jahr immer wieder die Dringlichkeit von menschlicher Entwicklung gezeigt.

Wie wollen wir uns den komplexen Herausforderungen der Welt stellen, wenn wir innerlich unverändert bleiben? Wie wollen wir gut zusammenarbeiten wenn wir alles so persönlich nehmen?
Und wie können wir Neues schaffen, wenn wir nicht den Mut haben, Kontrolle über alte und sichere Strukturen loszulassen?

Wie schon über das labtogether 2017 beschrieben, braucht es für einen tiefgreifenden Wandel wie er im Moment passiert, offene und selbtstverantwortliche Menschen.
Solche Menschen fallen allerdings nicht einfach so vom Himmel, sondern sie entwickeln sich eher prozesshaft in diese Richtung. Der innere Reifungsprozess dorthin wird auch als „Inner Work“ bezeichnet.

Wer bin ich? Wieso handle ich auf eine bestimmte Art und Weise? Oder wieso handle ich nicht? Wie sehr erlaube ich mir zu spüren, zu fühlen und präsent zu sein?
Wie gehe ich mit unangenehmen inneren Zuständen um? Wie reagiere ich auf stressige äußere Umstände?
Kann ich Intensität halten?

Der Neurowissenschaftler Antonio Damasio beschreibt, dass menschliche Entscheidungen immer mehr oder weniger von ihrem emotionalen Apparat und ihren Erfahrungen beeinflusst sind.
Unsere Basisemotionen bzw. Urinstinkte wie z.B. Angst, Wut, Scham, Traurigkeit und Freude sind an mentale und körperliche Prozesse gekoppelt und veranlassen uns zu Handlungen.

Davon läuft ca. 95% unbewusst in uns ab.
Und unser Alltag und unser Arbeitsleben ist als Konsequenz davon häufig von komplizierten und anstrengenden sozialen Interaktionen geprägt.

Was tun?

Wie bekomme ich eine unbewusste Emotion bis in die Hirnrinde damit sie als spontanes, bewusstes Gefühl wahrnehmbar wird?

Achtsamkeit und Ausprobieren sind zwei passende Schlüssel fürs Tor nach innen.

Meditation, innehalten und stiller werden, den eigenen Körper spüren, zuhören und klar kommunizieren, fühlen und spüren. Sich neugierig und forschend ins Unbekannte wagen und Schritt für Schritt ausprobieren, wo der Weg weitergehen könnte.
Seine eigene Geschichte und ihre Traumata erkunden, diese integrieren und am Ende vielleicht sogar dafür dankbar sein oder darüber lachen können. Alles einsammeln. Alles darf da sein.

Jeder innere Reifungsprozess ist individuell und ist eine spannende Reise.
Oft herausfordernd und sehr lohnenswert.

Voll entwickelte Menschen beziehen sich bewusst aufeinander und können sich selbst motivieren und organisieren.
Sie können mit all ihren Qualitäten ein wertvolles Puzzlestück einer Gemeinschaft sein.
Gerade der Umgang mit unbewussten Emotionen setzt viel gebundene Energie frei und ermöglicht Unabhängigkeit von der eigenen Story, vom eigenen Selbstbild und von kulturellen Vorgaben.

Ich denke, dass viele der agilen Methoden, die in der Unternehmenskultur präsenter werden, gereifte Menschen als Grundlage brauchen.
Ansonsten fällt die potente Methode auf nicht vorbereiteten Boden und zeigt wenig Wirkung.

Und wie anfangen?

Nimm dir immer wieder für 1-2 Minuten eine kleine Auszeit.
Bring deine Aufmerksamkeit auf deine Atmung und atme voll, so dass du spürst wie sich deine Lungen bewegen.
In alle Richtungen.
Atme ein paar Mal voll aus, kann sein, dass das Geräusche macht.
Macht nix!

Dann spür´, wie es dir in diesem Moment geht.
Spür´, ob du hungrig bist, ob du Bewegung brauchst oder ob du dich langweilst.
Und schau´, was um dich herum passiert, welche Menschen da sind oder wie der Raum aussieht.

Dann tue das, was in diesem Moment benötigt ist. Oder tu‘ einfach nichts.

Wenn wir alleine diese kleine Übung alle immer wieder ausprobieren, dann bewegt sich schon etwas.

katrin pauline

hi! Ich bin Katrin Pauline und ich bin Mitglied bei LES ENFANTS TERRIBLES. Meine Vision von neuen und freien Formen des menschlichen Ausdrucks probiere ich als Körpertherapeutin und Autorin gleich praktisch aus. Ich berate, berühre und kommuniziere mit Menschen. Hauptsache wir kommen in Bewegung und die Welt bewegt sich in eine gute Richtung! Ich meditiere außerdem gerne und höre viel Musik.

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