Was wir bis dahin gelernt haben … (Teil 2)

Jetzt haben wir schon zwei Module unserer Ausbildung für gutes neues Arbeiten von Les Enfants Terribles erlebt: Nach dem Start im September 2018 haben wir uns Ende November dem Themenfeld „New Work“ zugewandt. Die Ausbildung wird mit 5 Modulen bis einschliesslich September 2019 dauern. Wenn du Weiteres zur Ausbildung an sich wissen möchtest, wie wir angefangen haben und welche Teilnehmenden dabei sind usw., dann kannst du das hier in unserem Bericht Teil 1 nachlesen. 

An dieser Stelle werden wir über die ganze Ausbildung hinweg berichten, was wir erleben, was wir lernen und wie es uns allen damit so geht. Wir werden dabei auch immer wieder Methoden und Tools vorstellen, Bücher oder sonstige Quellen empfehlen. Hier und heute also zu Modul 2.

 

Ein zentraler Aspekt unserer Ausbildung ist natürlich, alles über Konzepte, Methoden, Modelle und Tools rund um das Thema „New Work“ zu erfahren und sie dann in den eigenen Arbeitskontext zu integrieren. Und genau darum ging es Ende November drei intensive Tage lang im THEgarden am Halleschen Tor in Berlin.


Jede Menge Guest Speaker*innen

Den Anfang machte Thomas Zimmermann, unser Guest Speaker in Sachen „Agiles“, und führte uns in die Welt von Scrum, Kanban, Lean und Konsorten ein. Das Wichtigste war dabei, vom Hintergrund und vom Überblick her zu starten und dabei zu verstehen, woher, aus welchen Bedarfen, welchem Mindset und welchen gesellschaftlichen Entwicklungen diese Art des Denkens, Managens und Wirtschaftens sich entwickelt hat. Und wie welche methodischen Ansätze zusammenhängen.

„Von der Haltung zur Methode“: Im Scrum-Selbstversuch erprobten die Teilnehmer*innen selbst, wie sie sich an Hand eigener Projektideen, Feedback, Retros und Iterationen dem Ziel nähern konnten. Vertieft wurde dies dann am Abend: Eine Teilnehmerin brachte ein von ihr selbst um drei Management-Modi erweitertes Familienspiel mit: Je eine Runde wurde nach den Prinzipien von Wasserfall-Projektplanung, Kanban und schließlich Scrum gespielt – und zwar mit Leidenschaft!


Um Selbstorganisation und Soziokratie ging es mit Sonja Maier vom Soziokratiezentrum Deutschland.

Auch Sonja baute auf Haltung und Weltsicht hinter diesem Organisationsmodell auf, um dann das Gerüst an Prinzipien und Organisationswerkzeugen der Soziokratie zu erläutern. Inwiefern Partizipation und Mitverantwortung für eine im Kreis gefundene Entscheidung tragen, konnten die Teilnehmer*innen dann live selbst erkunden. Und waren nachhaltig beeindruckt davon, wie anders es sich anfühlt, als wenn eine Entscheidung auf klassischem Wege getroffen wird.

Die dritte Speakerin des Moduls war Franziska Krüger. Sie gehört zum Ausbildungsteam von Les Enfants Terribles und brachte uns als Expertin in Human Centered Design nahe, welche Potenziale der Design Thinking-Ansatz für die Gestaltung der Arbeit anbietet. Erprobt haben dies die Teilnehmenden unter anderem mit den Moving Motivators Cards von Management 3.0.


… und jede Menge Praktiker*innen

In der Praktiker*innen-Runde – einer Vertiefungssession mit Menschen, die New Work bereits auf die eine oder andere Weise gestalten – war Entscheidungsfindung ein Thema von vielen: Wie trifft die Genossenschaft reinblau eG ihre Entscheidungen? Luca Curella berichtete von den holakratischen Entwicklungsschritten der Genossenschaft und auch davon, wieso sich die Mitglieder aus vormals freiberuflichen Web-Entwickler*innen überhaupt auf diese Weise zusammengeschlossen haben. Um Entscheidungen in Sachen HR, Arbeitsmotivation, Kommunikationswege und Partizipation ging es bei Julia Carloff-Winkelmann von Soundcloud. Sebastian Philipp ermöglichte Einblicke in die Arbeitsweise des Business Innovation Studios der Volkswagen Group und machte anschaulich, was nutzerzentriertes Design für Kollaboration und Entwicklung bedeuten kann. Und bei Franziska Kolb, Change & Transformation Expert bei Daimler Financial Services, war das Thema, wie „Neues Arbeiten“ Schritt für Schritt in der Praxis und v.a. in eher traditionellen Unternehmen implementiert werden kann.

… und zwei Journalisten

Damit nicht genug wagten wir abends, am digitalen Kaminfeuer, mit den Journalisten Marc Winkelmann (ex enorm Magazin) und Markus Kälble (Capital) einen Ausblick in die Zeit „Post – New Work“. Die noch lange nicht anbrechen wird, so unser Eindruck. Weil wir noch gehörig damit zu tun haben, die Potenziale von New Work, von gutem neuem Arbeiten, auszuloten.



Umsetzen in die Praxis

Wie kann man nun dies alles anwenden, in die Praxis umsetzen, wie kann ich gestalten? Dazu braucht es unserer Erfahrung nach auch das persönliche Standing, die Haltung, die erst möglich macht, dass man andere Menschen inspirieren, ihnen neue Ideen anbieten kann. Um diesen Entwicklungsweg zu begleiten, haben wir mehrere Aspekte in die Ausbildung integriert:

Die Teilnehmer*innen bekommen für die Zeit zwischen den Modulen inhaltliche Vorbereitungsaufgaben und sie können sich mit externen Coaches eine Begleitung gönnen. Darüber hinaus bekommen sie Angebote, wie sie mit Tools und Übungen mehr Achtsamkeit in ihr Leben integrieren können. So haben wir diesmal für eine Morgenmeditation Isabel Viramo von Roon eingeladen, die uns aufmerksam und zugewandt zeigte, wie man auf diese Weise den Tag beginnen kann.

Und sie durchlaufen den eigens entwickelten Les Enfants Terribles-Prozess, der u.a. auf der Grundlage von Design Thinking for Life und Ikigai die Möglichkeit bietet, sich immer wieder anzuschauen, wo man im Leben steht, was wichtig ist, und wo es hingehen soll. Diesmal haben wir ausgewertet, wie die Erfahrung des Good Time Journals auf die Teilnehmer*innen gewirkt hat. Hier war die Aufgabe, in der Zeit zwischen den Modulen mindestens 1 Woche lang zu notieren, bei welchen Tätigkeiten man sich energetisiert und motiviert gefühlt hat, und bei welchen eben nicht. Vor diesem Hintergrund haben die Teilnehmenden ihr Wheel of Life noch einmal iteriert: Welche Lebensbereiche sind mir jetzt wichtig, 3 Monate nach dem Start der Ausbildung? Wie schätze ich sie ein? Jede und jeder wählte sich einen Lebensbereich aus, in dem sie oder er etwas verändern möchte, und setzte sich hier ein oder zwei Ziele.

Theoretischen Hintergrund gab es dazu aus der Pädagogik: Der Experiential Learning Cycle von David A. Kolb aus den 1980er Jahren ist ein Ergebnis der Forschungsfrage: Wie lernen wir aus Erfahrungen? Und wie kann daraus ein Verhalten oder eine Gewohnheit geändert werden? Kurz gefasst ist Lernen laut Kolb umso erfolgreicher, wenn die Lernenden alle vier Stufen des Erlebens, Reflektierens, Konzeptualisierens und Ausprobierens durchlaufen.

Daher gehören auch die „Buddies“ zum Enfants Terribles-Prozess. Nach jedem Modul losen die Teilnehmer*innen aus, wer in der Zwischenzeit bis zum nächsten Modul ihr Buddy sein möge. Mit diesem Gegenüber hat jede*r Teilnehmer*in die Gelegenheit, einmal pro Woche zu telefonieren und den eigenen Weg zu reflektieren.

Und was haben wir diesmal in der Ausbildung gelernt?

In der Retro zum Modul 2 reflektierten die Teilnehmer*innen, was sie alles mitgenommen haben – und das war viel. Viel Praxiswissen um Tools und Vorgehensweisen aus verschiedenen Kontexten. Viele Puzzlestücke, die sich, so die Rückmeldung, dann doch zum Ende zu einem Bild zusammenfügen ließen.

Und es waren Erkenntnisse und Erfahrungen aus dem persönlichen Entwicklungsweg. Z.B. wie unterstützend und intensiv der regelmäßige Austausch mit dem persönlichen Buddy sein kann, welche Tätigkeiten im Alltag wirklich Energie und Freude ins Leben bringen, oder dass eine Mediation tatsächlich etwas im Inneren in Gang bringen kann…

Wir haben diesmal unsere Guest Speaker*innen gefragt, was sie mit uns gelernt haben. Da wir ja wissen, dass alle in einem solchen Prozess lernen, nicht nur die Teilnehmer*innen…

Thomas meinte, dass es ihn besonders reize, seine Themen „in diese Art Curriculum einzubringen“: „Dabei lerne ich auch noch mehr über den Gesamtkontext und bekomme einen kritischen Blick auf meine Inhalte.“ Auch „den informellen Austausch, der zu spannenden Ideen führt“ schätzte er sehr und dass er auch andere Speaker*innen hörte. „Ich wünschte man könnte noch mehr davon haben! Und wie schafft ihr das bloß, dass alle so motiviert und offenherzig sind? :)“

Auch Franziska schickte uns ihre Gedanken zu dem Praktiker*innen-Nachmittag: „Wie wichtig es ist, über Neues Arbeiten nicht alleine, sondern gemeinsam nachzudenken, Erfahrungen und verschiedene Perspektiven auszutauschen. Dass letztlich der Praxisbezug und Transfer entscheidend ist. Darüber sollten wir uns viel mehr austauschen und voneinander lernen. Im Elfenbeinturm findet kein Wandel statt. Dass die Vorstellungen und Ideen von gutem Arbeiten subjektiv und individuell sind.“

Luca spiegelte uns, dass er den Nachmittag bei uns so erlebt hat, wie auch die Arbeitswelt sich wandeln möge: „Insgesamt finde ich euren Ansatz sehr schön: die Arbeit der Zukunft soll Spass machen, sich persönlich rechnen und im größeren Rahmen Verantwortung übernehmen & Sinn stiften.“ Und ganz konkret nimmt er mit: „Ich will mich demnächst etwas genauer mit den Unterschieden zwischen Soziokratie und Holacracy beschäftigen, weil wir das oft gefragt werden. So als persönliches Learning.“

Isabel freute sich über unsere Einladung zur Reflexion: „Wenn ich zurückdenke an den Morgen bei les enfants terribles muss ich lächeln und eine warme, freundliche Stimmung breitet sich in mir aus. Die Erfahrung an diesem Morgen war rundum angenehm. Es war schön zu sehen, wie liebevoll und fürsorglich der Empfang für die Kursteilnehmer vorbereitet war, mit Getränken, Frühstücksmüsli und Naschsachen. Viele kleine und größere Details, die über meine Erwartungen an so eine Veranstaltung hinausgingen. Das macht mir jetzt bei der Reflektion darüber nochmal deutlich, was für eine Bedeutung Großzügigkeit und Fürsorge im menschlichen Kontakt haben, möglicherweise auch in Bezug auf die Lernbereitschaft und sicherlich in Bezug auf die Offenheit.

Das machte sich dann auch in der Meditation bemerkbar. Ich fand, dass sich die Anwesenden sehr auf die angebotene Tiefe eingelassen haben und dann im Austausch auch ganz persönliche Erfahrungen teilen konnten. Ich hatte ein gutes Gefühl von Verbindung und Vertrauen, was in einer Gruppe, die ich seit 1/2 Stunde kenne, nicht selbstverständlich ist. Insgesamt war es eine sehr bereichernde und schöne Erfahrung, für die ich euch von Herzen danke. Viel Freude im weiteren Verlauf mit dieser tollen Gruppe wünsche ich euch.“



Dankedanke sagen auch wir an alle, die diesmal dabei waren! Und freuen uns auf das nächste Modul, mit dem wir Ende Januar 2019 die Reise weiterführen – diesmal eine „Inner Journey“. Yeah!


Wer über Modul 1 der Ausbildung lesen möchte, der kann das gerne
hier tun.
Und übrigens starten wir ab Mai 2019 die nächste Runde unserer Ausbildung für gutes neues Arbeiten. Mehr darüber findet Ihr hier. Es gibt auch ein kleines Video mit Impressionen und Teilnehmer*innen-Stimmen unter diesem Link hier.