Was wir bis dahin gelernt haben … (Teil 3)

Dies ist Teil 3 unseres Berichts über unsere Ausbildung zum/r New Work Professional. Wir erzählen, was wir auf unserer »zeitenreise« (das ist der Name unserer Ausbildung) erleben, was wir lernen und wie es uns allen damit geht. Wir haben über den Start der Ausbildung und die Teilnehmer*innen hier in Teil 1 berichtet (in dem Modul ging es um den Kontext von New Work, um Digitalisierung und die VUCA-Welt). In Modul 2 ging es hier um das Themenfeld New Work – was verstehen wir darunter, welche Aspekte, Konzepte, Methoden und Tools sind für uns relevant. Und in allen Modulen bis dahin ging es immer und immer wieder um: Haltung, Haltung, Haltung – die eigene und die des Unternehmens (man nennt das dann „Kultur“).

 

Der Schwerpunkt von Modul 3 war „Inner Journey“ – die Reise ins eigene Ich. Die Ausbildung heißt ja nicht umsonst »zeitenreise«. Das merken wir alle schon seit Modul 1; wir bewegen uns ständig oder besser gesagt, wir müssen uns ständig zwischen den Welten hin und her bewegen. Es ist eine Brückenzeit, in der das Neue und oft Gewünschte noch nicht (ganz) da ist, das Alte aber auch noch seinen Bestand, an manchen Stellen seine Berechtigung hat, aber vor allem eine große Gewohnheit ist. Immer wieder erinnern wir uns an die Worte von Niels Pfläging vom Start der Ausbildung „Es gibt kein Alpha im Beta!“. Und wie in seinem Artikel hier beschrieben: Change ist eben wie „Milch in Kaffee geben“.

Bei unserer Kurz-Retro zum Einstieg in Modul 3 erfahren wir, dass die Teilnehmer*innen zwischen den Modulen in ihrem Arbeitsalltag ganz schön viel ausprobiert haben – und das mit viel Erfolg und vor allem auch mit Spaß verbunden war. Das waren manchmal große, aber ganz oft auch kleine Dinge: neue Meeting-Formate, Routinen im Arbeitsalltag. Oder manchmal sind es Dinge im Privaten: zum Beispiel eine kleine Morgenmeditation zum Start in den Tag. Und es fängt an, im Umfeld mit zu wirken. Die Dinge geraten in Bewegung. Das ist toll 🙂

Und wir hören, dass sich unser Buddy-Format total bewährt und für den Austausch und die gegenseitige Unterstützung hilft. Das geht so: am Ende jedes Moduls wählen die Teilnehmenden per Zufallsprinzip einen (neuen) Buddy. Man ist zu zweit über die nächsten Wochen verbunden; ganz schlicht über eine Telko 1mal pro Woche für circa 30 Minuten. Um sich gegenseitig zu berichten, was gut läuft, sich auszutauschen. Es gibt nicht wirklich einen vorgegebenen Ablauf für das Telefonat – nur den kurzen Check-In am Anfang und den Check-Out am Ende des Telefonats. Fertig. Aber super hilfreich. Sozusagen „Working Out Loud“ im Kleinen.

 

Immer wieder stellen wir alle auch trotzdem fest: die Veränderung braucht (ihre) Zeit. Wir brauchen Geduld – vor allem mit uns. Nur, weil wir neue Erkenntnisse gewonnen, eine andere, neue Vorstellung von Zusammenarbeit und meistens auch vom eigenen Leben gewonnen haben, heißt das noch lange nicht, dass die Anderen um uns herum, das auch so sehen. Die Teilnehmer*innen kommen von 3 Tagen »zeitenreise« zurück und „Zack, alles anders!“ is‘ leider nicht.

Es gibt einen Begriff dafür: Liminal Space. Das ist der Raum zwischen dem Alten, das noch da ist und dem Neuen, das noch nicht (ganz) da ist. Es gibt jemanden in unserem Team, der das Zeichen dafür sozusagen als „Reminder“ tätowiert hat; dafür, geduldig mit sich zu sein, nicht zu hetzen und nicht zu hadern. „Was ist muss sein dürfen“; das sagen schon die guten alten Systemiker. Oder wie Rilke sagt „Man muss die Fragen selbst lieb haben.“ Aber das ist nicht immer einfach und nicht immer gut auszuhalten. Auch die negativen Erfahrungen und Gefühle brauchen dabei ihren Raum. Was uns immer hilft: auch kleine Erfolge feiern!

Das Liminal Space-Tattoo

 

In Modul 3 geht es deshalb vor allem um uns selbst. Ganz nach dem Motto „New Work ist Inner Work“. (Zu diesem Thema hatten wir übrigens auch einen Podcast-Beitrag von Joanna Breidenbach unter diesem Link hier.) Was bewegt mich, lässt mich wie handeln. Es geht um’s Erwachsen sein. Es geht um alte Geschichten im Hier und Jetzt. Es geht um Klarheit und um’s Konsequent sein – im Sprechen und im Handeln. Wie sonst soll Veränderung stattfinden?

Wie immer bei der Ausbildung hat uns auch hier unser Enfants Terribles-Prozess begleitet. Über die ganze Ausbildung hinweg begleiten wir die Teilnehmer*innen mit unterschiedlichen Übungen rund um ihre Motivation, Bedürfnisse, Ziele, Herausforderungen und Erfahrungen. Zum Start war das ihr Zielbild für die Ausbildung und die Definition der für sie wichtigsten Felder der Veränderung. In diesem Modul gab es eine „Innere Retrospektive“: wo stehe ich gerade, was habe ich gelernt und welche Themen beschäftigen mich am meisten. Und wir haben das Zielbild aus dem ersten Modul iteriert.

My Inner Retro

Die Grundlage für unser Modul „Inner Journey“ hat Joanna Gröning mit ihrer Session „Er-wachsen!“ gelegt. Joanna ist Coach und Therapeutin und arbeitet in ihrer Praxis vor allem mit der Transaktionsanalyse (TA). Das erklärte Ziel der TA ist, Menschen darin zu unterstützen, autonome, eigenverantwortliche, freie Menschen zu sein. Die TA liefert dabei ein wunderbares Modell, um sich selbst und seine „inneren Zustände“ zu verorten. Dabei werden 3 Ebenen unterschieden: das Eltern-Ich (fürsorglich oder kritisch), das Kind-Ich (ängstlich, rebellisch oder frei) und das Erwachsenen-Ich. Es geht darum, sich seiner Zustände bewusst zu sein, aus der Vergangenheit (Eltern- und Kind-Ich) ins Hier und Jetzt, dem Erwachsenen-Ich, zu kommen. Um Veränderung gut zu gestalten, um gut neu zu arbeiten, braucht es diesen erwachsenen Blick auf die Dinge und ein erwachsenes Handeln. In dieser Session haben wir viel darüber diskutiert, was dieses „Erwachsensein“ genau ist, sein könnte – und wo jede*r von uns dabei steht. Das war super spannend und hat uns allen für die eigene Orientierung geholfen.

Das Modell der Transaktionsanalyse (frei nach Joanna Gröning…)

Wer sich mit der Transaktionsanalyse beschäftigen will, dem empfehlen wir dieses Buch hier zum Einstieg:

Das TA-Thema konnten wir wunderbar vertiefen, in dem wir an Tag 2 über „Gefühle@Work“ gesprochen haben. Wir haben das Modell von Vivian Dittmar genutzt, die zwischen Gefühlen und Emotionen unterscheidet. Gefühle sind im Hier und Jetzt. Sie helfen uns angemessen in sozialen Kontakt zu treten und uns miteinander zu verbinden. Emotionen sind „alte, nicht verarbeitete Gefühle“, die uns nicht immer gut handeln lassen. Es geht auch hier wieder darum, ein Bewusstsein für sich zu entwickeln. Deshalb waren ein großer Teil dieser Session Reflexionsübungen – jede*r für sich und zusammen als Gruppe.

Der Gefühls-Kompass nach Vivian Dittmar

Die beiden Bücher von Vivian Dittmar empfehlen wir deshalb sehr:

Wir haben außerdem in diesem Modul das Modell der Gewaltfreien Kommunikation (GFK)von Marshall Rosenberg vorgestellt und konkret an einem Praxisbeispiel auch gleich ausprobiert. Und da alle mehr darüber wissen und erfahren wollten, gab es jetzt einen Vertiefungstag rund um die GFK – durchgeführt von einer der Teilnehmer*innen, die selbst Coach ist. Das ist eines der kleinen wunderbaren Dinge, die immer wieder in der Ausbildung passieren und für die wir sehr dankbar sind! 🙂

 

Uns ist es wichtig, dass das, was wir in der Ausbildung vorstellen und machen, gut ins eigene Arbeitsleben übernommen werden kann. Von daher arbeiten wir immer wieder an den Praxisthemen der Teilnehmer*innen, d.h. konkrete Situationen oder aktuelle Projekte, die es zu bearbeiten gilt. In diesem Modul hatten diese Themen einen besonderen Platz. Mit ganz unterschiedlichen Methoden und Herangehensweisen sind wir an die Lösung gegangen. Von Aufstellungsarbeit über kollegiale Beratungssalons bis hin zu Fish Bowl oder die Methode „X Fragen“. Wir haben ein Set an Methoden zur Verfügung gestellt, die jede*r dann auch wieder in seinen Alltag mitnehmen kann, und gemeinsam als Team haben wir nach Antworten, Ideen, Rat und Lösungen für die jeweiligen Fragenden geforscht.

 

Überraschungsgäste und damit auch Überraschungssessions sind ein absolut wichtiger Teil unserer Ausbildung :-). Davon hatten wir in diesem Modul wirklich reichlich. Am Abend des ersten Tages haben wir gemeinsam mit Birgit Halberstadt Qi-Gong ausprobiert. An Tag 2 haben wir alle zusammen Tango getanzt – und zwar Queer-Tango! „It takes 2 to tango“ hieß die Session mit Gerhild und ihrer Tanz-Partnerin Andrea Wendland. Dabei wurde allen noch einmal sehr bewusst, was „Führen und Folgen“ bedeutet und bedeuten kann. Und an Tag 3 war Martin Ciesielski von der „School of Nothing“ bei uns, der mit uns sein Social Prototyping-Konzept und vor allem seine Erfahrungen im Improvisationstheater im Rahmen seiner Session „Solo Leadership“ geteilt hat.

Hier ein paar Impressionen…

Und dazwischen und drumherum gab es Achtsamkeits-Übungen, Buchempfehlungen zu „Inner Work“ sowie Zitate der Teilnehmer*innen, wilde Energizer und ein Gedicht, außerdem wie immer leckeres Essen im Michelberger Hotel. Und ganz zum Schluß ganz viel Dankeschöns und Wertschätzung mit unserer Übung „Das find‘ ich schön an Dir!“.

 

 

Schön war’s wieder! Danke an ALLE!

 

Eine Anmerkung zu unseren Buchempfehlungen: wir sind sehr dafür, dass Bücher beim kleinen Buchladen um die Ecke oder auch bei Shops wie Buch7 (die mit 75% ihres Gewinns soziale Projekte unterstützen) oder Fairmondo gekauft werden. Wir benutzen hier aus praktischen Gründen Links zum Amazon-Shop, weil wir dann u.a. die Buchtitel im Rahmen des Partnerprogramms zeigen dürfen. Das heisst noch nicht, dass Ihr darüber auch bestellen müsst, aber wenn Ihr das tut, verwenden wir die Einnahmen daraus (5% auf jede Bestellung) für die Community-Arbeit von LES ENFANTS TERRIBLES.