Warum meditieren?

Diesen Beitrag haben Ruth Seehausen und Isabel von Roon als Gastautorinnen geschrieben. Die beiden haben (zusammen mit Julia Borggräfe) mit RECONNECT ein Programm entwickelt, in dem es um Empathie, Mitgefühl und einen klaren Geist geht. Mehr über das Team von RECONNECT und vor allem das wirklich gute Programm findet ihr am Ende des Artikels.

 

Achtsamkeitsmeditation ist in Mode gekommen. Das ist kein Wunder, denn ihre positiven Wirkungen sind vielfältig und werden hoch gelobt — ähnlich wie beim Sport ist die Liste der Vorteile lang: Meditation hilft Stress abzubauen, stärkt das Immunsystem und kann Depressionen lindern. Sie verbessert die Fähigkeit, Aufmerksamkeit und Emotionen zu regulieren und zu kontrollieren, fördert Metakognition und Selbstwahrnehmung, und führt zu mehr Selbstakzeptanz sowie zu einem positiveren Selbstbild. Schon bei Anfängern zeigt sich bei regelmäßigem Üben schnell mehr Gehirnaktivität in den Regionen, die mit Glück, Inspiration und positiven Gefühlen assoziiert sind. Wer wünscht sich das nicht?

Darüber hinaus fördert Achtsamkeitsmeditation die Entwicklung von emotionaler und sozialer Intelligenz: wer regelmäßig meditiert, hat nicht nur ein besseres Verständnis für seine eigenen Emotionen und kann besser mit ihnen umgehen, sondern kann auch die Emotionen anderer Menschen besser erkennen und verstehen. Achtsamkeitsmeditation hat also nicht nur einen hohen Nutzen für die Meditierenden selbst, sondern fördert gleichzeitig gegenseitiges Verständnis und Mitgefühl — und damit unser soziales Miteinander.

All dies ist wissenschaftlich bewiesen. Aber auch ohne die heutigen Forschungsergebnisse zu kennen, haben Menschen seit Tausenden von Jahren ihren Geist trainiert mit Methoden, die bis heute unübertroffen sind. Und selbst wenn theoretisches Wissen und intellektuelles Verständnis helfen können, uns auf den Weg der Meditation zu bringen: nur die Motivation, in unserem Leben etwas Grundlegendes verändern zu wollen und unsere eigene, ganz persönliche Erfahrung der Wirksamkeit von Meditation, werden uns bewegen, auf diesem Weg auch zubleiben.

Warum meditieren wir also? Warum Tag für Tag aufs Neue? Was sind unsere persönlichen Erfahrungen mit Meditation?

Schon früh haben uns alternative Lebensentwürfe angezogen. Wir suchten Wege aus einer inneren Enge, Wege zu einem sinnhaften Leben. Nicht alle Experimente waren gleich erfolgreich und es gab immer wieder Zeiten, in denen andere Dinge in den Vordergrund drängten. Aber wir kamen immer wieder zurück zur Meditation und können uns heute ein Leben ohne dieses „Innehalten und innen Halt finden“ nicht mehr vorstellen.

Mittlerweile meditieren wir seit mehr als dreißig Jahren. Manchmal ist der Weg holperig. Es fällt schwer, sich aufzuraffen, es scheint nicht zu funktionieren, die Gedanken spielen verrückt, es ist langweilig.

Warum machen wir dann weiter?

Was uns bei der Stange hält, sind Erfahrungen von weiter Klarheit des Geistes, von gelassenem und akzeptierendem Gewahrsein dessen, was gerade ist, von dem Gefühl von Verbundenheit mit uns selbst, mit anderen Menschen und dem „Leben an sich“. Wir erleben mehr Präsenz, Gelassenheit und Ruhe im Trubel, mehr Weichheit und Flexibilität in schwierigen Situationen, tiefe Zufriedenheit, Transformation von Angst in Vertrauen, und oft auch Humor und Freundlichkeit im Umgang mit uns selbst und unseren Macken. Wir fühlen uns weniger versklavt von unseren Gedanken und Gefühlen, sondern spüren stattdessen mehr Freiheit in Geist und Herz, mehr Offenheit und Wärme anderen gegenüber.

Dabei ist Meditation ist nicht nur das, was wir erleben, wenn wir auf dem Kissen sitzen. Sie ist auch ein Lebensgefühl, eine Haltung, eine Art des Seins — mit sich selbst, mit anderen, mit Ereignissen und Erfahrungen.

Ein wesentlicher Effekt der Meditation ist die Erhöhung der Resilienz. Stress wird oft ausgelöst durch äußere Ereignisse und Bedingungen. Wir sind tendenziell sehr damit beschäftigt, im Außen Änderungen herbeiführen zu wollen und übersehen dabei gerne den viel wirkungsvolleren Weg, nämlich die eigene innere Antwort auf Schwierigkeiten zu betrachten und zu verändern. Die Stille und Klarheit der Meditation haben uns die Möglichkeit gegeben, unsere Verhaltens- und Gedankenmuster mehr und mehr zu erkennen und zu transformieren. Durch ein besseres Gewahrsein für unseren Körper, unsere Gedanken und Emotionen öffnen sich neue Wege der Selbstfürsorge, dem Druck von außen können wir mit mehr innerer Ruhe und Stärke begegnen.

Wie schon gesagt: es ist nicht immer leicht — das wollen wir nicht verschweigen. Der Weg der Meditation ist nicht linear und es geht auch nicht stetig aufwärts. Es gibt Höhen und Tiefen, mal scheint es vorwärts, mal rückwärts zu gehen und manchmal stagniert alles. Dann hilft es, genau das akzeptierende, achtsam-beobachtende Gewahrsein, das wir in der Mediation üben, auch auf solche Situationen anzuwenden. Und dranzubleiben.

Denn wodurch wirkt Meditation? Grundsätzlich natürlich durch regelmäßiges Üben. Meditation ist ein Übungsweg und keine Zauberei. Hilfreiche und nützliche Gewohnheiten lassen sich nur durch häufige Wiederholung bilden. Auch das ist wissenschaftlich bewiesen. Je mehr wir also üben, desto besser können wir eine achtsame, gelassene und mitfühlende Haltung in unseren Alltag integrieren. So einfach ist das. Und manchmal so schwer.

Darum meditieren wir.

 

 

Über die Autorinnen und ihr RECONNECT-Programm:
Gemeinsam mit Les Enfants Terribles-Mitglied Julia Borggräfe, erfahrene HR-Managerin, systemische Beraterin und Coach, haben wir (Ruth Seehausen und Isabel von Roon) das mentale Intensivtraining RECONNECT — Stärke in der Verbindungzu sich selbst finden entwickelt. Wir möchten Menschen unterstützen, die im hektischen Alltag Ruhe und Gelassenheit suchen, die denKopf frei bekommen wollen, um richtige Entscheidungen zu treffen und um souverän mit Veränderungsprozessen umzugehen. Oder einfach nur mehr Leichtigkeit undFreiheit in ihrem Leben spüren möchten.

Wir kennen uns aus dem ReSource Projekt, einer großangelegten Langzeitstudie zur Erforschung eines säkularen Achtsamkeits- und Mitgefühlstrainings, die von 2013 bis 2015 am Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften in Leipzig durchgeführt wurde. Ruth und Isabel waren maßgeblich an der Konzeption und Durchführung dieses Trainings beteiligt.

Aus unterschiedlichen Biografien und Hintergründen bringen wir einen reichen Schatz an Erfahrungen und Kenntnissen mit: Teamführung und -entwicklung in Wirtschaftsunternehmen und im Non-Profit-Bereich, systemisches Coaching und Beratung, Psychologie, Psychotherapie, Kenntnisse der Neurowissenschaften, und natürlich Achtsamkeitsmeditation und Meditationswissenschaft.

RECONNECT ist ein sechswöchiges Training, das Raum bietet, wieder zu sich selbst zu kommen und dabei neue Perspektiven zu entdecken. Zeitlose Meditationstechniken und bewährte Übungen helfen, den Geist zu klären, den Körper zu entspannen, turbulente Emotionen zu beruhigen, Empathie und Mitgefühl zu vertiefen, sowie gute und authentische Entscheidungen zu treffen.

Wir verknüpfen bei RECONNECT die intensive Wirkung von zwei Retreats mit der Regelmäßigkeit wöchentlicher Meditationsabende. Darüber hinaus haben die Teilnehmer*innen die Möglichkeit, individuelle Coachings in Anspruch zu nehmen. Durch diese Methodenkombination kann das Training besonders effektiv wirken und ermöglicht eine nachhaltige Integration des Gelernten in den Alltag.

Wir bieten das RECONNECT-Training im Frühjahr und Herbst 2019 (Start jeweils Mai und Oktober) in Berlin an. Die Retreats finden statt im Rosenwaldhof in Groß Kreutz im Havelland, die wöchentlichen Meditationsabende in Berlin Schöneberg-Friedenau. Weitere Informationen gibt es hier: ruth.seehausen@autenticon.de.