Thin Skin – Ballett für die Seele

Quelle: Photo by averie woodard on Unsplash

Für alle, die mit Tanz und Ballett nichts anzufangen wissen: jetzt weiterlesen!

Es gibt Ballett, und es gibt modernes Ballett. Und es gibt Marco Goecke. Und selbst, wenn man so gar keinen Zugang zu diesem Thema hat, lohnt es sich, diese arte-Dokumentation über einen der spannendsten Choreografen unserer Zeit anzuschauen. Natürlich geht es dabei um Tanz – aber eigentlich und viel mehr geht es darum, wie man sein Leben (gut) lebt.

Das eine Sehenswerte an diesem Film sind Goecke’s wirklich wunderbare Choreografien, die mit ihren sehr schnellen, stakkato-mäßigen und manchmal gewöhnungsbedürftigen Bewegungen sehr eigen sind; das andere ist der Mensch Marco Goecke, der sich selbst einen „Kontroll- und Angstmenschen“ nennt.

Der Name des Films ist „Thin Skin“ – Dünnhäutigkeit. Er steht für das Leben von Marco Goecke, einem feinfühligen und feinsinnigen, einem hochsensiblen Menschen. Er nimmt uns mit auf eine Reise und erzählt in diesem Film über seine Ängste und seinen Umgang damit. Manchmal ist das verwirrend und verstörend. Während die meisten von uns ständig damit beschäftigt sind, stark und perfekt zu sein (oder zumindest so zu wirken), offenbart Marco Goecke, dass sein Leben von Kindheit an von großen Ängsten und Panikattacken bestimmt war.

Er muss sich vor seiner Umwelt schützen; das macht er auch konsequent. Manchmal mutet das übertrieben, fast schon egoistisch, egozentrisch an. Goecke hat sich sein Leben aber so eingerichtet, dass er (gut) darin leben kann. Und er hat vor allem keine Angst davor, seine Ängste und Schwächen zu zeigen. Das ist sehr bewundernswert.

Die Kamera begleitet Goecke während der Ballett-Proben mit den TänzerInnen, aber auch zu Hause in einer merkwürdig karg eingerichteten Wohnung oder unterwegs im Luxushotel mit seiner Managerin. Er erzählt dabei viel von sich, von seiner Kindheit, in der er sich immer anders und nicht dazu gehörend gefühlt hat.

Marco Goecke

„Thin Skin“ ist nicht nur der Name des Films, sondern auch und vor allem der Name eines Balletts, das Goecke mit dem Nederlands Dans Theater inszeniert und aufgeführt hat; eine Hommage an die Punk- und Rockikone Patti Smith.

Goecke’s Choreografien sind die totale Verzauberung – und Verwirrung zugleich. Er sagt, er bringt sein Inneres nach Außen, er arbeitet mit Angst, seiner Angst. Er kehrt Angst um in Erlösung, verwandelt sie in Schönheit. Er hat eine sehr spezielle Sprache und einen sehr speziellen Stil. Seine Bewegungsabläufe erscheinen wie im „Fast Forward“-Modus eines Videos. Sie verlangen den TänzerInnen vor allem durch ihre Schnelligkeit Einiges ab. Die „Schnelligkeit eines Kolibris“. Sie treten mit diesen Bewegungen aus den Grenzen ihres Körpers heraus. Es geht außerdem um Zeit. Goecke rafft die Langsamkeit des Seins, um das Leben, die Gefühle zu intensivieren. Die Zeit erscheint ihm/uns dadurch schöner und aufregender.

 

„Thin Skin“ ist ein wirklich besonderer Film über einen sehr besonderen Künstler, der keine Angst davor hat, seine Schwäche zu zeigen und der sie – im Gegenteil – in Stärke verwandelt. Er scheint wirklich kein „Everybody‘s Darling“ zu sein ­– das wird einem nach wenigen Minuten zusehen klar. Gut und ermutigend an diesem Film ist, dass man das auch nicht sein muss – schon gar nicht, um erfolgreich zu sein.

 

Die Dokumentation über Marco Goecke ist bis zum 06.07.2018 hier in der Mediathek von arte zu finden.

Hier gibt es einen Trailer des Balletts „Thin Skin“. Und wer mehr vom Nederlands Dans Theater sehen möchte, kann hier stöbern.

Und hier hat Joanna einen Artikel über Hochsensibilität geschrieben. Der Artikel könnte in dem Zusammenhang also auch interessant sein.

 

 

marion

von

Hallo! Ich bin Marion, die Gründerin von LES ENFANTS TERRIBLES, eine Initiative und Community für gutes neues Arbeiten. Ich berate und unterstütze Menschen, Teams und Unternehmen auf ihrem Weg zu einem besseren Miteinander im Job. Und außerdem liiiiebe ich Bücher, alte Autos und die Berge.

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