Wie man einen nachhaltigen Job findet

Wir haben ein Interview mit Paul Berg, dem Gründer & Geschäftsführer von GoodJobs, einer Jobplattform für nachhaltige und soziale Jobs, geführt.  Wir sprechen über die Veränderungen am Jobmarkt, die neuen Herausforderungen von Arbeitssuchenden, wie sich Unternehmen zukunftsfähig am Jobmarkt positionieren können und welche Chancen, diese Veränderungen für alle mit sich bringen.

GoodJobs setzt sich für nachhaltige Unternehmensziele und eine wertschätzende Unternehmenskultur ein und gestaltet damit aktiv eine bessere Zukunft der Arbeit mit.

 

Was sind Eure Erfahrungen mit dem Job-Markt? Gibt es Veränderungen? Und wie glaubt ihr, wird sich das Thema “Job-Suche” in Zukunft noch weiter verändern? Wie können Unternehmen und Job-Suchende künftig auf diese Veränderungen reagieren?

Job-Suchende interessiert immer weniger das Gehalt, sondern was und vor allem wie sie bei der jeweiligen Organisation arbeiten. Deshalb werden Unternehmen in Zukunft auch viel stärkere signalisieren müssen, was für ein Arbeitgeber sie sind und sein wollen.

Insgesamt hat sich in den letzten Jahren der Markt vom Arbeitgeber zu Gunsten der Arbeitnehmers gedreht. Job-Suchende sind viel häufiger in der Position von Unternehmen umworben zu werden und sich aussuchen zu können, wo sie arbeiten wollen. Solche Entwicklungen helfen dabei, dass wir uns von den gelernten Regeln einer konformistischen und gestrigen Arbeitswelt langsam emanzipieren können. Das sogenannte Humankapital erwacht langsam und hat ganz andere Erwartungen. Darauf müssen Organisationen reagieren.

 

Was sind “Good Companies” für Euch? Das ist ja gar nicht so einfach, zu sagen, was ein wirklich wirklich gutes Unternehmen ist… Was sind Eure Kriterien dafür? Und wie streng oder strikt seid ihr in der Auswahl?

„Good Companies“ sind für uns nachhaltige Arbeitgeber – alle Organisationen, die Nachhaltigkeit in ihrem Organisationsmodell oder Organisationszweck fest verankert haben. Dafür haben wir uns an Kriterienkatalogen von Experten,  Nachhaltigkeits-Rating-Agenturen oder den Vereinten Nationen orientiert.

In den (Achtung jetzt wird es offiziell) GoodJobs Kriterien für Nachhaltigkeit kann jeder zum Beispiel nachlesen, dass die Arbeitgeber, mit denen wir zusammenarbeiten, zu mindestens einem von 5 Nachhaltigkeitskategorien passen müssen:

  • Menschen helfen,
  • Wissen vermitteln,
  • Gesellschaft fair gestalten,
  • Umwelt schützen oder
  • bewusst wirtschaften. 

Wir arbeiten deswegen mit NGOs wie Greenpeace oder Amnesty International oder nachhaltigen Unternehmen wie Lemonaid, Fairphone oder der GLS Bank zusammen.

 

Euer Anliegen ist es, dass sich Arbeitgeber neu ausrichten und alle Menschen, mit ihrem “GoodJob” etwas gutes bewirken und dabei glücklich und zufrieden sind. Dabei geht es viel um Werte, eine wertschätzende Unternehmenskultur und Mitarbeiter die bereits ihren “purpose” kennen. Wie setzt ihr das bei euch um? Nach welchen Kriterien stellt ihr eure Mitarbeiter ein? Und wer ist aller in den Entscheidungsprozess inkludiert? Wie stellt ihr sicher, dass euer Mitarbeiter glücklich und zufrieden sind?

Ab dem ersten Bewerbungsgespräch bei GoodJobs versuchen wir zu vermitteln, was der Zweck oder Sinn von GoodJobs ist und warum wir Motivation daraus ziehen. Vom Onboarding Material bis zu regelmäßigen Meetings oder internen Veranstaltungen nutzen wir Möglichkeiten, um dieses Thema mit allen zu besprechen und weiter zu denken. Genauso versuchen wir auch mehrere Teams in den Entscheidungsprozess für neue Mitarbeiter zu integrieren.

Erst letzte Woche haben wir ein „Job Vorglühen“ veranstaltet bei dem wir 25 Bewerber*innen eingeladen haben uns kennenzulernen. Das komplette Team war dabei und hat beim Fireplace-Assessment und Speeddating mögliche neue Kolleg*innen kennengelernt und sich ihren Fragen gestellt. Die Idee dabei war es nämlich vorrangig, das Buzzword „Employer Branding“ in die Tat umzusetzen und uns als potenzieller Arbeitgeber bei den Interessierten zu bewerben. Dem ersten Feedback nach zu urteilen, ist uns das sehr gut gelungen!

 

Wie seht ihr die Zukunft der Arbeit? Und was können Unternehmen dazu beitragen, sich als zukunftsfähiges Unternehmen am Job-Markt besser zu positionieren und neu auszurichten?

Wenn wir alle aufpassen, dann könnte es rosig werden. Ich glaube, dass wir alle in Zukunft nur noch wirklich sinnvolle Tätigkeiten ausüben werden. Durch die Digitalisierung und Automatisierung wird viel Produktivitätsleistung von uns Menschen zu Maschinen verlagert. Parallel wird immer lauter über Möglichkeiten eines universellen Grundeinkommens nachgedacht. Durch solche Umstände hätten wir Menschen sehr viel Zeit, die wir nutzen werden. 

Wenn wir mit totaler Freizeit konfrontiert werden, glaube ich, dass wir uns aussuchen werden an Dingen zu arbeiten, die uns wirklich wichtig sind; die unseren Kriterien nach sinnvollen Jobs entsprechen.

Wir haben dann endlich Zeit, uns mehr mit uns selbst zu beschäftigen, Dinge zu lernen, uns um unsere Mitmenschen zu kümmern. Dinge, die nur wir Menschen machen können und die wir nicht von Maschinen erledigt haben wollen: Pflege unserer Omas und Opas oder die Erziehung und Ausbildung unserer Kinder und Jugendlichen.

 

Paul, das ist ja dein erster Job nach der Uni, oder? Wolltest Du nicht in einem Unternehmen arbeiten, dich fest anstellen lassen?

In meinem ersten Job nach der Uni war ich 7 Tage lang Chauffeur bei der Berliner Fashion Week. So gesehen ist GoodJobs mein zweiter Job und natürlich auch ein Unternehmen, in dem ich arbeite. Ich habe natürlich generell nichts gegen Festanstellungen. Im Gegenteil: Wenn mich jemand mit einer Idee begeistert und quasi schon in Vorleistung gegangen ist, klingt das nach einer, im positiven Sinne, reizenden Möglichkeit.

Es gibt viele spannende Unternehmen und Organisationen, die bewiesen haben, dass sie ein sinnvolles und stabiles Geschäftsmodell aufbauen können. Wenn ich mir Unternehmen wie zum Beispiel Lemonaid, Einhorn, Unu oder Coffeecircle anschaue, dann juckt es mir schon in den Fingern, da auch mal mitzumachen. Noch habe ich mit GoodJobs aber zu viel Spaß und Herausforderungen, um etwas anderes zu machen.

 

Wir erleben immer wieder, dass junge ambitionierte Menschen das Gefühl haben, sich in einem Unternehmen nicht vollständig entfalten zu können. Und doch wäre es so wichtig für die Zukunft der Arbeit, junge Talente für sich zu gewinnen. Was hält dich persönlich davon ab, in eine Festanstellung zu wechseln? Und was müsste ein Unternehmen dir bieten, damit eine Festanstellung für dich in Frage kommt?

Bin ich nicht auch festangestellt? Ich habe zwar GoodJobs mitbegründet, aber habe immerhin einen Geschäftsführeranstellungsvertrag unterschrieben. Gleiches gilt umgekehrt: Sollten wir nicht alle selbstständig sein, auch wenn wir einen festen Arbeitsvertrag haben? Gibt es eigentlich noch andere Sprachen in denen das Wort  für „Selbstständigkeit“ so stark für Entrepreneurship steht?

Bei GoodJobs sehen wir immer wieder, dass Organisationen erfolgreiche Arbeitgeber werden, wenn sie ihren Mitarbeitern Möglichkeiten zum freien Denken und zum selbstständigen Arbeiten geben. Neben einem sinnvollen Organisationszweck, einem sympathischen Team und einer fairen Vergütung, würde ich als Arbeitnehmer das Gefühl haben wollen, dass ich weiß, was ich da überhaupt mache, also meinen Job und seine Daseinsberechtigung verstehe. Außerdem will ich Gestaltungsspielraum haben und spüren, dass ich mit meiner Arbeit in der Organisation einen Impact habe.

 

Wir sind immer wieder interessiert daran, gutes neues Arbeiten aus einer anderen Perspektive zu sehen und würde gerne von dir wissen, was es für dich bedeutet “gut neu zu arbeiten” und ob du dich als “good enfant terrible” siehst? Und wenn ja, warum?

„Gut neu zu arbeiten“ ist für mich eine Mischung aus Bob Marley und Elon Musk. Das sind für mich auch wirkliche „good enfants terribles“: zwei sehr selbstständige und lebensbejahende Persönlichkeiten, die ihre Leidenschaften zu ihrem Beruf machen und darüber hinaus wirken wollen. Bob Marley als (Lebens-)Künstler mit spiritueller Tiefe und Elon Musk als zukunftsgewandter Unternehmer, der für mich das Gegenteil ist von „Gründen um des Gründers Willen“, weil er mit seinen Unternehmen sich klaren gesellschaftlichen Problemstellungen widmet.

Ich habe das mal eben kurz auf dem Handy gegoogelt, was enfant terrible wörtlich übersetzt überhaupt heißt (franz. für schreckliches Kind). Wenn wir mal groß sind, wollen wir bei GoodJobs auch so gute schreckliche Kinder werden, wie die beiden.

Vielen Dank Paul!

 

Wer jetzt Lust auf einen neuen Job hat oder sich mit seinem Unternehmen als „GoodCompany“ bewerben möchte, schaut am besten mal bei GoodJobs vorbei. Und wer mehr rund um das Thema Zukunft der Arbeit und Zukunftsberufe lesen möchte, kann hier gleich weiterlesen.

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