Kuscheln ist wichtiger als Arbeiten

Wir bei Les Enfants Terribles haben den wunderbaren Luxus mit Menschen zu arbeiten, die einen Beitrag für eine bessere Arbeitswelt leisten, die sich engagieren, die die Dinge auch einfach mal anders machen. Und die befragen wir in regelmäßig-unregelmäßigen Abständen – vor allem zu New Work und zum Enfant Terrible-sein. Hier kommt unser Interview mit Julia Carloff-Winkelmann, VP People & Workplace bei SoundCloud und Guest Speaker bei unserer Ausbildung zum New Work Professional, die ab September startet.

 

Was ist für dich gutes neues Arbeiten?
Mit gutem neuem Arbeiten verbinde ich vor allem Flexibilität, Selbstbestimmtheit, Authentizität und “Sättigung”.

Flexibilität bedeutet für mich in verschiedenen Lebensphasen und -situationen anders arbeiten zu können. Dies bezieht sich sowohl auf Arbeitsinhalte, Arbeitszeiten als auch auf unser Arbeitsumfeld. Die Digitalisierung ist für mich in diesem Zusammenhang “Fluch und Segen” gleichzeitig. Ich schätze die Flexibilität und Selbstbestimmtheit von überall und zu jeder Zeit arbeiten zu können und gleichzeitig ziehe ich mich regelmäßig bewusst zurück von der digitalen Flut meines Alltags.

Mit Selbstbestimmtheit meine ich, dass der Arbeitsrahmen vorgegeben wird und dass ich die konkreten Arbeitsinhalte selbstbestimmt wählen kann. Neues gutes Arbeiten bedeutet für mich vor allem wenige Vorgaben und viel Freiraum.

Mit Authentizität meine ich, dass ich so arbeiten möchte, wie ich bin. Ich möchte keine Rolle spielen und mich nicht verstellen. Dazu gehört das Thema Vielfalt, Buntheit und Inklusion. Was dies in meinem Berufsalltag genau bedeutet und wie ich das beeinflusse, beschreibe ich detailliert in diesem Blog Post.

Sättigung ist für mich weniger der finanzielle Aspekt meiner Arbeit, den ich hauptsächlich als “Hygienefaktor” sehe, sondern vor allem etwas Sinnstiftendes, Erfüllendes. Sättigung entsteht für mich durch Freude an Arbeitsinhalten, durch neue Erfahrungen, durch Lernen und durch positives Feedback und Bestätigung.

Oder frei nach Konfuzius: „Wähle einen Beruf, den du liebst und du brauchst niemals in deinem Leben zu arbeiten.“

Im Mittelpunkt von gutem neuen Arbeiten steht für mich der Mensch – mit seinen individuellen Bedürfnissen und dem Bewußtsein, dass diese nicht alle von der Arbeit befriedigt werden können. Gutes neues Arbeiten hat also vor allem auch mit bewusstem Verzicht zu tun.

 

Wie bringst du das Thema in die Welt?
Seit mehr als 15 Jahren arbeite ich im Personalbereich und begleite Führungskräfte und Mitarbeiter beim Thema gutes Arbeiten. Bei SoundCloud leite ich den Personalbereich. Unsere Philosophie zum Arbeiten bei SoundCloud ist “SoundCloud is a chapter in your book”. Dieses Kapitel soll ein besonderes, ein gutes sein – im Hinblick auf Flexibilität, Selbstbestimmtheit, Authentizität und Sättigung. Wir sind uns darüber bewusst, dass die Mitarbeiter einige Jahre bei uns bleiben, um dann weiter zu ziehen und ihre Erfahrungen zum nächsten Arbeitsort mitnehmen.

Zusätzlich bringe ich das Thema durch Sprechen (Network Events, Panels, Konferenzen) und Schreiben (Blog Posts, mittwochs.online ;-)) in die Welt.

 

Was hilft dir, ein (gutes) Enfant Terrible zu sein?
Vor allem Neugier und Offenheit sowie Austausch helfen mir ein gutes Enfant Terrible zu sein. Sowohl im Gespräch, als auch im digitalen Austausch. Zusätzlich hilft mir Rückzug – Yoga, allein sein, Nichts tun …

Während ich diesen Beitrag schreibe, setzt sich meine Tochter auf meinen Schoß. Ich sage “Bitte lass mich hier kurz zu Ende arbeiten.” Daraufhin sagt sie “Mama, Kuscheln ist wichtiger als Arbeiten”. In diesem Sinne: Euch einen schönen Mittwoch und eine kuschelige Restwoche!

 

Das Interview mit Thomas Zimmermann von swapwork, einem unserer anderen Guest Speaker der „Ausbildung für gutes neues Arbeiten“ ist hier.

gerhild

von

Hallo! Ich bin Gerhild und auch bei LES ENFANTS TERRIBLES. Meine Lieblingsthemen sind - neben der Digitalisierung - Selbstorganisation & Führung und der Umgang mit Diversität. Ich unterstütze Menschen darin, gut arbeiten und dabei lernen zu können. Vor allem in Sozial- und Bildungsunternehmen.

Comment (1)

  1. Pinkback: Spüren, ob man noch anecken kann | mittwochs.online

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