Was man von Jeppe Hein übers Arbeiten lernen kann

Quelle: Mit freundlicher Genehmigung von Jeppe Hein und KÖNIG GALERIE Berlin/London

Eine ganz besondere Kunstperformance, von der man viel fürs Arbeiten lernen kann, haben wir im November erlebt. An einem sehr ungewöhnlichen Ort in Berlin. Es ging um sehen, um fühlen, um Begegnung – mit sich selbst und mit anderen.

Über 100 Menschen kommen nach und nach in St.Agnes an

Die ehemalige katholische Kirche dient seit 2015 der König Galerie als Ausstellungsort.
Alle ziehen Schuhe und Jacken aus, geben ihre Taschen ab und warten neben den bunten Stoffbahnen, die vor dem Kirchenschiff gespannt sind.
Der Betonboden ist angenehm warm.

Im Nave ist der Boden mit Teppichen ausgelegt.
Menschen setzen sich, bilden Grüppchen, plaudern leise und warten.
Aufregung und Erwartungen sind deutlich zu spüren
„Hier passiert wahrscheinlich gar nichts“, meint meine Begleitung.

Und doch, nach einer Weile kommt Jeppe Hein in den Raum und begrüßt uns sehr freundlich und entspannt.
Der Künstler, der in Kopenhagen und in Berlin lebt, ist bekannt für interaktive Kunst in der sich viel bewegt.
Jeppe Hein möchte Menschen bewegen und in einen Austausch mit ihrer Umgebung, besonders mit anderen Menschen bringen.

Bisher nutzt er seine Kunstwerke als Impulsgeber für den Austausch.
Was, wenn es kein Kunstwerk gibt?

„I SEE“ ist das Thema dieses Abends

Wie sehen wir?
Mit den Augen oder mit dem Herzen?
Und das in einer Kirche…

Jeppe lässt uns atmen, hüpfen, laut wie ein Löwe brüllen.
Und er lässt uns durchs Kirchenschiff spazieren um die anderen Menschen zu sehen, um über die Augen Kontakt aufzunehmen. Gerne länger. Mit Zeit.

Für viele Menschen hier ist das ungewohnt und neu.
Nicht jeder möchte mir in die Augen schauen.
Schon gar nicht länger.

Die befreundete Yogalehrerin Ruth führt uns danach im Liegen auf dem warmen Boden durch eine Yoga Nidra Übung tief in uns selbst.
Sie hat eine sehr warme Stimme und lässt uns Wasser, Sonnenaufgänge, bunte Herbstwälder und Rehe sehen.

Danach wieder ein Rundgang durchs Kirchenschiff im Halbdunkel.
Menschen und den Raum wahrnehmen.
Dann lässt Jeppe uns malen.
Ein Bild das wir gesehen haben und wie wir uns dabei gefühlt haben.
Mein Waldboden in blau fühlt sich genauso stabil und weich an, wie ich ihn gesehen habe.

Zum Abschluss gibt es getrocknete Birnen und ein kleines lila Fruchtgetränk.
Die Stimmung ist lebendig, ruhig und nah.
Anders als eher unruhiges Kunstgewimmel mit Sekt in der Hand.
Und doch bin ich nicht auf einem Healing Festival sondern in einer Galerie mit Menschen, die sich Samstag Abend Zeit für Kunst nehmen.
Es fühlt sich ganz normal an und ist doch sehr besonders.

 

 

Wer sich mit den Arbeiten von Jeppe Hein beschäftigen und zu seinen nächsten Ausstellungen und Events gehen möchte, findet hier den Link zu seiner Webseite.

katrin pauline

Hallo, ich bin Katrin Pauline Müller. Meine Vision von freien, vielfältigen und menschlichen Formen des Ausdrucks und der Kommunikation, setze ich als freie Texterin und Autorin gleich praktisch um. Ich mag Kultur und Natur, Farben und Geschmäcker. Und ich liebe Musik ebenso wie Stille.

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