♡ Über Hirngespinste, günstige Zufälle und eine (Un)Konferenz …

Es gibt ja mittlerweile einiges an Events und Konferenzen rund um „New Work“, aber eine hat mich im letzten Jahr sehr beeindruckt – und irgendwie auch berührt. Gregor Karlinger hat zusammen mit Manuela Grundner die Freiräume (Un)Conference in Graz gegründet. Hier berichtet er wieso und was das für ihn bedeutet.

 

Wieso habt Ihr diese Konferenz gestartet? Es gibt ja auch schon Einiges an Konferenzen – und es werden immer mehr…

«Begonnen hat es damit, dass ich Mitte 2015 Reinventing Organizations von Frederic Laloux (hier ist der Link zum Buch) gelesen habe. Das Buch hat mich sehr berührt, und ich habe mir gedacht: Ich kann nicht einfach die Inhalte abnicken und es zurück ins Regal stellen. Eine Frage, die sofort da war: Gibt es solche Unternehmen, die erste Schritte in Richtung des Paradigmenwechsels machen, auch bei uns?

Das war die Initialzündung zu den Freiräumen. Ich habe meiner Kollegin Manuela Grundner von meinem Hirngespinst eines Austauschformats zu Selbstorganisation, Ganzheit und Sinn bei einem Kaffee erzählt, und sie war gleich Feuer und Flamme. Und dann haben wir einfach begonnen.«

 

Und wieso hast Du überhaupt etwas Neues gestartet? Was treibt Dich an? 

«Es war uns von Anfang an klar, dass wir nicht “yet another conference” organisieren wollten. Ganz klar im Zentrum stand und steht bei den Freiräumen der Austausch zwischen den TeilnehmerInnen. Wir wollen weg von der Überhöhung der Vortragenden gegenüber den Besuchern, hin zu einem Austausch aller Beteiligten auf Augenhöhe. Idealerweise bringt jeder etwas mit und kehrt mit neuen Ideen heim.

Der zentrale Antrieb für mich ist die Erkenntnis, dass die Grundidee der Freiräume sehr, sehr gut zu meiner persönlichen Vision passt: Menschen dabei zu helfen, eine für sie optimale Arbeitsumgebung zu schaffen, in der sie ihren Beruf zur Berufung machen können. Mit den Freiräumen schaffen wir etwas, das mehr Hebel entwickeln kann, als ich das alleine je könnte.«

 

Wie ist die Resonanz darauf von den Mitmachenden und den Teilnehmenden?

«Großartig! Die TeilnehmerInnen sind begeistert von der Energie, die dadurch entsteht, dass sich jeder gleichberechtigt einbringen kann und es tatsächlich um konkreten Austausch geht, und nicht um die Beschallung mit großen Ideen, die sehr weit weg klingen.  

Und das gibt natürlich unheimlich viel Kraft und spornt uns an, die Freiräume weiterzuentwickeln. Beispielsweise durch Schwerpunktsetzungen, wie heuer mit dem Themen Sinn und Brückenschlag zur Bildung, oder durch neue Austauschformate wie einer kollegialen Fallberatung, in der TeilnehmerInnen kniffelige Fragestellungen aus der eigenen Organisation zum Thema machen können.«

 

Was hast Du aus der Konferenz bisher für Dich gelernt? Was würdest Du davon gerne weitergeben, mit uns teilen?

«Manuela und ich erfahren bei der Organisation der Freiräume ganz stark, was es bedeutet, interdisziplinär und mit ganz unterschiedlichen Perspektiven zu arbeiten. Wir sind uns weder vom Typus noch von unserem Erfahrungshintergrund besonders ähnlich, und das bringt immer wieder sehr fruchtbringende Diskussionen mit sich, die meist zu spannenden neuen Ideen führen.

Weiters habe ich gelernt, dass man nicht immer alles planen kann, und dass es sehr entlastend sein kann, sich auf günstige Zufälle einzulassen, und einfach Gelegenheiten aufzugreifen, die sich am Weg anbieten. Das ist mir als Agile Coach intellektuell nicht fremd, aber es ist noch einmal etwas ganz anderes, es am eigenen Leib zu spüren.«

 

Was liebst Du an Deiner Arbeit? Was macht Dich so grundsätzlich glücklich beim Arbeiten? Und was macht Dich glücklich bei Deiner Konferenz?

«Ich liebe die Vielfalt bei meiner Arbeit. Jeder Kunde ist anders, lebt in seinen eigenen Logiken. Damit variieren auch die Herausforderungen, Teams und Organisationen auf Ihrer Reise hin zu anderen Formen der Zusammenarbeit zu begleiten.

Und ich schätze es zunehmend, auch als Berater kollaborativ mit Kolleginnen zusammenzuarbeiten. Einerseits entlastet es, nicht alle Probleme alleine wälzen zu müssen, andererseits erkenne ich auch dabei, wie viel Neues entstehen kann, wenn mehrere Menschen ihre Ideen zusammenlegen.

In den Freiräumen macht es mich besonders glücklich zu sehen, dass sehr viele Verbindungen zwischen den TeilnehmerInnen entstehen, die über die beiden Tage der (Un)Conference hinaus anhalten und weiter wachsen. Ich spüre zusehends, dass hier eine Community wächst, die gemeinsam Dinge verändern möchte und auch verändert.«

 

Warum engagierst Du Dich für “neues Arbeiten”? Und was ist denn Deine Definition davon?

«Weil ich glaube, dass für uns als Gesellschaft neues Arbeiten unabdingbar ist, wenn wir unsere gemeinsamen Probleme lösen möchten. Und das Arbeiten im unternehmerischen Kontext ist für mich eine Art Labor, wie die Gesellschaft der Zukunft aussehen kann. Was wir dort erfolgreich erproben, klappt eines Tages auch im weiteren Kontext der Gesellschaft. Klingt jetzt nach einem großen Ding, nicht? Ist es auch, und ich denke es lohnt sich, daran zu arbeiten!«

 

Also, hingehen zur Freiräume (Un)Conference! Es ist wirklich toll! Und es lohnt sich, nicht nur die Konferenz, sondern auch Gregor und Manuela zusammen zu erleben! Infos und Tickets gibt es hier. Und wenn Ihr den Code “LesEnfantsTerribles” angebt, gibt es auch 10% Rabatt.