Führung zum Anfassen

AEB ist ein Software-Unternehmen im Bereich Logistik, das sich seit vielen Jahren mit Selbstorganisation und mit guter kollaborativer Arbeit beschäftigt. Auch das Thema „Räume“ spielt dort eine große Rolle. Jetzt gab es im Unternehmen eine große Aktion zum Thema „Führung und Zusammenarbeit“, bei der ein Bestandteil eine interaktive Installation im Atrium des Gebäudes war. Wir haben mit Uli Lison darüber gesprochen.

Lieber Uli, du bist als Portfoliomanager bei AEB tätig. Gehört denn das Kuratieren und Organisieren von Ausstellungen zu deinen Aufgaben? Oder ist “Führung” eines deiner zentralen Themen? Wie bist du zu diesem Projekt gekommen?

Wenn eine Ausstellung hilft, dass wir mit allen Kolleginnen und Kollegen ein so wichtiges Thema wie Führung diskutieren können, organisiere ich diese gerne mit. Denn das Thema gewinnt gerade in Zeiten der Digitalisierung immer mehr an Bedeutung, auch für AEB. Daher begleiten und unterstützen wir kontinuierlich Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Rahmen von Fortbildungen und Workshops. Auch ich beschäftige mich schon lange damit, was die Digitalisierung für das Führungsverständnis für Unternehmen und jeden Einzelnen bedeutet. 

Vielleicht könntest du zunächst einmal erzählen, was die Gründe waren, die euch zu diesem Projekt bewegt haben?

Ausschlaggebend war, dass wir das Thema mal ganz anders angehen wollten, um eine möglichst breite Diskussion im Unternehmen anzustoßen. Mit einem physischen Raum, Haptik und unterschiedlichsten Möglichkeiten, sich mit dem Thema auseinander zu setzen. Für jeden sollte es einen passenden Zugang geben, um das eigene Führungsverständnis zu reflektieren, mit anderen zu diskutieren und in einen offenen Dialog zu gehen.  

Wie verlief der Weg von der Idee zur fertigen “Führungsinstallation”?

Die Installation bestand insgesamt aus vier unterschiedlichen Stationen. Mittels eines Fadenseismographens konnten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über unterschiedliche Thesen abstimmen, etwa ob Führung jeder übernehmen kann oder ob Führung klare Hierarchien und Rollen braucht. An einer Fotowand konnte man Bilder auswählen, die man mit dem Thema Führung verbindet. In einem One-Pager ließ sich beschreiben, was einem generell beim Thema umtreibt. Und Videostatements, beispielsweise eines Dirigenten, eines Feuerwehrmanns und einer Zollleiterin brachten neue Blickwinkel und Impulse. 

Zudem gab es Führungen durch die Ausstellung und begleitende Veranstaltungen. Wichtig war uns aber auch, dass sich Menschen ganz alleine und in der Interaktion mit anderen dem Thema Führung nähern können.  

Man sieht in dem Video, dass eure Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Installation agieren können. Wie funktioniert sie?

Die ursprüngliche Idee zur Installation entstand in einem Führungsworkshop. Ein kleines Projektteam mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus unterschiedlichen Unternehmensbereichen hat diese Idee aufgegriffen, gemeinsam mit einem externen Mediendesigner in ein Konzept umgewandelt und letztendlich die Umsetzung organisiert.  

Eine solche Installation zur Führung ist ja eine äußerst kreative Art, sich diesem Thema zu nähern. Ist die AEB grundsätzlich offen für neue Wege des Führens und Arbeitens?  

Natürlich machen wir uns laufend Gedanken, wie Arbeiten und damit auch das Thema Führung bei AEB jetzt und in Zukunft aussehen sollte. Dazu tauschen wir uns nicht nur mit allen AEB-Kollegen, sondern auch mit anderen Unternehmen und Institutionen aus. Und natürlich sind wir immer offen für neue Ideen und Ansätze. 

Diese müssen aber zu unserer Unternehmenskultur passen, die sich meiner Einschätzung nach deutlich von klassischen Unternehmen unterscheidet. Basis ist dabei die Überzeugung, dass Menschen aus einer eigenen, von innen kommenden Motivation arbeiten und jeder die Freiheit hat, zu sein und zu denken, wie er will. Daher haben wir in vielen Bereichen auch kein festes Regelwerk. Freiheit bei AEB umfasst beispielsweise die Fragen „was mache ich“, „wie mache ich es“ und „wann und wo arbeite ich“. 

Kannst du in wenigen Worten erklären, wie in der AEB neues und gutes Arbeiten gelebt wird und was dabei die Herausforderungen sind?

Ich denke, diese Freiheit und auch viele andere Aspekte aus unserer Kultur würde man heute mit dem Etikett „New Work“ versehen. Für uns ist das etwas Selbstverständliches. Von daher leben wir meiner Meinung nach Ideen des neuen Arbeitens bereits seit längerem.   

Natürlich bringt unsere Unternehmenskultur dabei auch Herausforderungen mit sich. Und sie bedeutet mehr Verantwortung für jeden einzelnen. Für uns selbst, für die Sache und für AEB. Als Mitarbeiter muss ich mich daher immer wieder hinterfragen: Wo habe ich den größten Wirkungsbeitrag für AEB? Wo passe ich als Mensch mit meinen Vorstellungen und Erwartungen am besten dazu? Wir wissen, dass diese Art herausfordernd ist und dass es Aufwand, Mut und Veränderungsbereitschaft bei einem selbst braucht, sich auf dieses System einzulassen. Aber dieser Aufwand lohnt sich. Als Softwareunternehmen sind wir auf diese Weise mittlerweile seit über 40 Jahre am Markt und sehr erfolgreich.    

Wie war das Feedback aus den Teams und was macht ihr mit den Ergebnissen der Installation?

Das Feedback und die Resonanz waren sehr positiv. Mehr als 60 Kollegen und Kolleginnen haben aktiv ihr Feedback abgegeben. Darüber hinaus haben sich noch viele mehr mit ihrem Führungsverständnis in der Installation auseinandergesetzt. Die hohe Beteiligung und auch die Antworten aus der Installation zeigen: Das Thema ist wichtig. Und es wird deutlich, dass wir bei vielen Fragen ein gemeinsames Bild haben, es aber auch durchaus Themen gibt, wo die Meinungen deutlich auseinander gehen. Ausgewählte Themen werden wir daher in weiteren internen Veranstaltungen vertiefen. Zudem werden wir Inhalte aus der Installation in unser Culture Book einfließen lassen. 


Uli Lison ist für die Produktstrategie rund um das Thema Außenwirtschaft beim Stuttgarter Softwareunternehmen AEB zuständig. Er ist Treiber für innovative Produktideen und geht als Teil des AEB-Corporate-Start-ups auch mal ungewöhnliche Wege, um Zoll- und Compliance-Software auf ein neues Level zu bringen.