#Entrepreneurs4Future

Am 20. September 2019 solidarisieren sich Unternehmer*innen, Gründer*innen und Selbständige mit den demonstrierenden Schüler*innen, die sich seit mehr als einem Jahr wöchentlich für den Klimaschutz einsetzen. Les Enfants Terribles ist Teil dieser Bewegung. Wir sprachen mit  der #EntreprenursForFuture-Koordinatorin Dr. Katharina Reuter darüber, wie sich Unternehmen für den Klimaschutz einsetzen können – sei es in Streiks oder der Unternehmensführung.

Wer oder was sind die #EntrepreneursForFuture genau? Wer hat sie gegründet? Und was hat Euch dazu bewogen, diese Organisation ins Leben zu rufen? Beschreibt uns doch kurz die Entstehungsgeschichte.

Nachdem die FridaysForFuture endlich die Klimafrage in den Mittelpunkt rücken konnten und die Scientists die wissenschaftliche Grundlage bestätigten, fehlte die Stimme aus der Wirtschaft, die sagt: Die streikenden Schülerinnen und Schüler haben recht – und wir haben die geforderten Alternativen. Die Unternehmensinitiative zeigt, dass Klimaschutz ökonomisch machbar ist und Lösungen bereitstehen. Die Idee wurde von mehreren engagierten Unternehmen und nachhaltigen Wirtschaftsverbänden vorangetrieben.

Heute haben schon mehr als 3.000 Unternehmerinnen und Unternehmer unterzeichnet! 

Die Gründungsorganisationen von #EntrepreneursForFuture sind ja nicht neu zu diesem Thema am Start. Wie erlebt Ihr im Moment den Umgang der Menschen mit dem Thema “Klimaschutz”? Glaubt Ihr, dass Greta mit ihrem #FridaysforFuture letztendlich für eine wirkliche Veränderung in dieser Welt sorgen wird oder schon gesorgt hat?

Greta hat es geschafft, eine globale Jugendbewegung ins Leben zu rufen – und definitiv dafür gesorgt, dass Klimaschutz als Menschheitsthema wieder ganz oben auf der Agenda steht. Wir erleben im Moment ja vor allem die Blockade-Haltung der traditionellen Wirtschaftslobbyverbände. Es wird immer wieder behauptet, mehr Klimaschutz, z.B. durch eine wahren Preis auf CO2*, würde die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft einschränken. Dabei ist das Gegenteil der Fall! Denn “ein toter Planet ist auch schlecht für die Wirtschaft” – wir haben doch nur diese eine Erde!

Und doch schafft es die fossile Wirtschaft der Vergangenheit, einen so großen Druck auf die Politik auszuüben, dass sich kaum etwas bewegt. Wenn ihr also wissen wollt, wie groß die Veränderung am Ende wirklich ausfällt… da sind die Würfel noch nicht gefallen. Ich bin optimistisch – denn ein “Nichts-Tun” darf keine Option für die Bundesregierung sein!

Stand heute (18.9.2019) haben 3224 Unternehmen Euren Aufruf online unterzeichnet. Was glaubt Ihr, was sie dazu veranlasst hat? Engagieren sich diese Unternehmen dann auch im Rahmen Eurer Organisation? Und wenn ja, in welcher Form?

Ganz viele der unterzeichnenden Unternehmen gehören zu den Vorreitern der nachhaltigen Wirtschaft bzw. sind Startups aus dem Bereich cleantech oder efficiency. Aber auch Mittelständler mit Verantwortung unterzeichnen, weil sie zeigen wollen: Auch Wirtschaft will mehr Klimaschutz. Klar engagiert sich ein Teil der Unternehmen auch: Viele sind bei den Friday-Protesten dabei, einige organisieren regionale Vernetzungstreffen, anderen bringen die Stellungnahme in Gesprächen mit Politikern vor Ort ein. In den nächsten Wochen sammeln wir Klimaschutztipps (von Unternehmen für Unternehmen) und wollen parlamentarische Abende organisieren.

Wir haben in unserer letzten Ausgabe von mittwochs.online mit Philipp Wodara von “Gemeinwohlökonomie” gesprochen. Was haltet Ihr von diesem Konzept? Glaubt Ihr, es braucht solche “fertigen Konzepte”, damit Unternehmen es vielleicht einfacher haben, in die Umsetzung zu gehen?

Es ist super, wenn Betriebe nachhaltig wirtschaften. Und es ist toll, wenn sich Unternehmen dafür entscheiden, ihr Nachhaltigkeitsengagement auch über ein Reporting wie Deutscher Nachhaltigkeitskodex, B Corp oder Gemeinwohlökonomie sichtbar zu machen. Die GWÖ Matrix bietet einen ganzheitlichen Rahmen, auch soziale Komponenten werden berücksichtigt. Das ist gut. Aber welches Nachhaltigkeitsreporting zum Unternehmen am besten passt, ist immer verschieden. Für “Einsteiger” bieten auch Nachhaltigkeits-Checks eine gute Möglichkeit, zu gucken, wo stehe ich mit meinem Unternehmen und was können nächste Schritte sein. 

Was ist für Euch eine “enkeltaugliche Wirtschaft”? Wie agieren die Unternehmen in solch einer Wirtschaft? Und was ist die Rolle der Politik?

Enkeltauglich ist, wenn Ökonomie, Ökologie und Soziales Hand in Hand gehen.

Derzeit wirtschaften wir nicht enkeltauglich, sondern auf Kosten der folgenden Generationen. Unternehmen in einer transformierten Wirtschaft überlegen sich ganz genau, ob die Welt ihr Produkt braucht (unfuck product development), wie sie es möglichst nachhaltig herstellen können und wie sie die Lieferkette sozial gestalten. Die Rolle der Politik ist ganz klar: Leitplanken setzen. Und zwar auf der Basis von wahren Preisen. Denn das ist das Grundproblem heute: Klimaschadenskosten, Umwelt- und Gesundheitsschäden der konventionellen Produktion werden nicht eingepreist. Wir haben einen unfairen Markt. Das muss die Politik endlich ändern.

Wir, von Les Enfants Terribles, beschäftigen uns ja mit “New Work”, der “Zukunft von Arbeit”, vor allem mit einer guten und wünschenswerten Zukunft von Arbeit. Wie steht das für Euch mit dem Thema “Klimaschutz” in Verbindung? Was müssten/könnten Unternehmen intern in der Organisation, der Art der Zusammenarbeit vielleicht anders tun, um den Klimaschutz konsequent umzusetzen? Was ist dabei auch die Rolle, was sind die Möglichkeiten einzelner Mitarbeiter*innen im Unternehmen?

Wenn wir eine “enkeltaugliche Wirtschaft” ganzheitlich denken, gehört “gute Arbeit” definitiv in den Zielkompass dazu. Wir erleben, dass sich Mitarbeitende immer mehr wünschen, sich auch ins Unternehmen einbringen zu können, gehört und gesehen zu werden. Gerade auch bei Nachhaltigkeitsfragen. Das wird auch bei Nachwuchskräften ein immer wichtigeres Thema. Die Rolle der Mitarbeitenden? Hinterfragen, Kolleg*_innen motivieren, das Thema Klimaschutz vorantreiben, Katalysator sein! Die Palette, wie Klimaschutz-Engagement im Unternehmen unterstützt werden kann, ist vielfältig: Interne Aktionstage, Klimaschutz-Challenges usw.

Was glaubt Ihr, wäre jetzt ein wirklich guter nächster Schritt, um die Klimaziele zu erreichen, um tatsächlich eine nachhaltige Entwicklung umzusetzen?

Wir brauchen wahre Preise. Daher ist die CO2-Bepreisung der nächste wichtige Schritt. Ein höherer CO2-Preis wird auch weitere technische Innovationen anstoßen. Unsere Stellungnahme fordert “eine wirksame und planbar steigende CO2-Bepreisung für alle Sektoren”, damit Investitionen in eine kohlenstoffarme Infrastruktur, Technologien und Produkte gelenkt werden. 

Um die Klimaziele zu erreichen, brauchen wir den ganzheitlichen Wandel, d.h. neben der Energie- und Wärmewende brauchen wir die Finanz-, Agrar- und Mobilitätswende, die Stärkung der  Kreislaufwirtschaft, einen Klima-Innovationsfonds und ein ambitioniertes Klimaschutzgesetz, das eine dekarbonisierte Wirtschaft im Einklang mit dem in Paris vereinbarten 1,5°C Ziel erreicht. 

*Die Klimaschadenskosten von einer Tonne CO2 beziffert das Umweltbundesamt mit 180 EUR.

20. September 2019: Bundesweiter Klimastreik

Treffpunkte:

Berlin: 11.00 Uhr vor dem Bundesfinanzministerium
Düsseldorf: 10.45 Uhr vor der Mayerschen Buchhandlung
Hamburg: 9.00 Uhr bei der GLS-Bank zum Plakate vorbereiten
Hannover: 12.30 Uhr am Lister Platz beim großen E4F-Banner
Stuttgart: 11.30 Uhr am Kernerplatz

Materialien, Infos für Arbeitsnehmer*innen und Arbeitgeber*innen und mehr gibt es unter https://www.entrepreneurs4future.de/roadmap.


Credit: UnternehmensGrün, Jörg Farys

Dr. Katharina Reuter ist seit 2014 Geschäftsführerin von UnternehmensGrün, dem parteipolitisch unabhängigen ökologisch orientierten Unternehmensverband der grünen Wirtschaft. Davor war die Geschäftsführerin der Zukunftsstiftung Landwirtschaft und der klima-allianz deutschland tätig. Die Agrarökonomin engagiert sich seit vielen Jahren für die nachhaltige Wirtschaft – zunächst in Lehre und Forschung, dann im Stiftungs- bzw. Verbandsbereich. Als Beraterin für Bio und Nachhaltigkeit arbeitete sie eng mit Unternehmen zusammen.  UnternehmensGrün setzt sich für bessere Rahmenbedingungen für nachhaltig wirtschaftende Unternehmen ein. Themen sind politische Fragen in den Bereichen Energie, Circular Economy, Steuern, Handel, Mobilität oder Agrar- und Ernährungswirtschaft. Katharina ist Mitbegründerin von Ecopreneur.eu (European Sustainable Business  Federation). Entrepreneurs for Future ist eine logische Weiterführung ihrer Berufung.