Eine enkeltaugliche Zukunft bauen

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Es gibt so tolle und mutige Projekte – und dahinter natürlich die tolle und mutige Menschen! In Mecklenburg Vorpommern gibt es das Projekt „Wir bauen Zukunft“. Dort auf einem riesigen Gelände werden nicht nur nachhaltige und innovative Projekte entwickelt, sondern das Team dort nutzt Methoden z.B. aus der Soziokratie, um sich zu organisieren, sich abzustimmen. Über ihre Arbeit für eine „enkeltaugliche Zukunft“ haben wir mit Ceylan Rohrbeck und Sabrina Meyfeld, den Mitgründer*innen, gesprochen. Und wenn Ihr dieses Projekt unterstützen möchte: SEHR GERNE!

 

Euer Projekt “Wir bauen Zukunft” gibt es seit 2015. Beschreibt doch kurz, was Ihr dort genau macht und was das Ziel ist. Wie ist das Ganze entstanden? Und warum habt Ihr es gegründet?

2015 entdeckten einige von uns den ehemaligen »Zukunftspark Mensch – Natur – Technik – Wissenschaft« (ZMTW) in Mecklenburg Vorpommern. Zwischen Schaalsee und Elbe gelegen, war der Park seit knapp drei Jahren in der Insolvenz. Vieles war überwuchert, die Gebäude zum Teil geplündert, Scheiben eingeschlagen, Inventar weggeschleppt. Trotzdem haben wir das Potential des Ortes gesehen.

Wir haben eine Genossenschaft gegründet und das Gelände für knapp 200.000 Euro erworben. Danach folgten viele Arbeitseinsätze, Sommercamps und Makerblitze um das Gelände wieder zum Leben zu erwecken. Seit Juli 2016 fanden schon einige Seminare, Workshops und Fortbildungen und ein großes Innovationscamp zu verschiedenen Themen wie: Permakultur, Tiefenökologie und Tinyhomes statt, die alle zu der Philosophie unserer Projektgemeinschaft passen: Eine enkeltaugliche Zukunft zu entwickeln.

Vor allem die Idee von einem Experimentierfeld für nachhaltiges Leben, Lernen und Bauen soll hier immer mehr lebendig werden. Dies wurde zum Beispiel bereits durch Projekte wie das Open State of Politics Camp erprobt. Ein Innovationscamp, welches mit Werkzeugen wie Theorie U, Achtsamkeit und Empathie eine andere Form der Politik, als wir sie kennen erforscht und zu dem Schluss gekommen ist, dass unsere Demokratie eine neue Kultur des Sprechens und Verbindens braucht.

Es wird auf dem Gelände außerdem wissenschaftlich zu Themen wie: der ökologischen Aufbereitung von Trinkwasser, der Entwicklung von schwimmenden Inseln, des Anlegen eines Waldgartens und zum Thema Tinyhouse geforscht. So soll eine Tinyhouse-Forschungssiedlung in den nächsten Jahren hier entstehen, um die verschiedenen Systeme entsprechend testen und optimieren zu können. Das ganze machen wir, weil wir keine Zeit und keine Lust mehr haben zu warten bis sich etwas in der Welt ändert. Politische Strukturen benötigen, unter anderem auf Grund der Bürokratie oft zu lange um zu reagieren und Probleme wie z.B. der Klimawandel erfordern ein sofortiges Handeln. Wir haben uns entschieden selbst aktiv zu werden und an den Lösungen zu arbeiten, und selbst Teil des Wandels zu sein und die Welt von morgen aktiv mit zu gestalten.

 

Was ist denn Euer nächster Entwicklungsschritt? Gibt es ein langfristiges, vielleicht noch größeres Ziel?

Wir haben uns für dieses Jahr drei große Ziele gesetzt, die sich einmal darauf beziehen, das Projekt auf finanziell nachhaltige Beine zu stellen, im Bereich nachhaltiges Bauen zu forschen und Menschen zu vernetzen. Wir wollen spannende Veranstaltungen und Kooperationspartner*innen auf unserem Gelände versammeln und uns auch intern in unserer Kollaboration und Kommunikation als Gruppe weiter entwickeln.

Wir wollen unseren Organisationsapparat weiter professionalisieren! Wir sind zwar schon recht gut in Arbeitskreisen organisiert, aber sollten da nochmal weiter evaluieren und schauen, welche tote Strukturen wir mitschleppen, die wir eigentlich nicht nutzen oder brauchen. Wir wünschen uns mehr Menschen, die eigenständig (temporäre) Projekte auf unserem Gelände umsetzen. Dies können Universitäten, Privatpersonen oder auch Firmen & StartUps sein, die die gleiche Vision verfolgen. Langfristig soll der Ort ein Experimentierzentrum werden, das Menschen zusammenbringt die sich gegenseitig inspirieren, ihre Projekte umsetzen und co-worken – auch  Fab Labs und Forschung sollen mehr Platz haben.

Darüber hinaus ist der weitere Ausbau der Stadt-Land-Verbindung uns ein langfristiges Anliegen, sowie die Entwicklung von Kreislaufwirtschaft in der Region. Verwurzelte, regionale Unternehmen kommen in Austausch mit städtischem Leben. Wir bauen Zukunft kann ein Pionierort auf dem Land werden, ein Zweit- und Drittstandbein, Teil eines Netzwerkes welches Stadt und Land verbindet.

 

Ihr wart zu dem Zeitpunkt noch kein festes Team, das schon in anderen Projekten miteinander gearbeitet hatte. Wie organisiert Ihr Euch? Für welche Organisationsform und Methoden oder Tools der Zusammenarbeit und Kommunikation habt Ihr Euch entschieden? Was waren die Hürden der Zusammenarbeit und wie habt Ihr das gut gelöst?

Wir haben am Anfang mit Dragon Dreaming* gearbeitet um alle Bedürfnisse, Visionen und Ansichten in der Gruppe zu bündeln und ihnen Raum zu geben. Als es dann um die konkrete Organisationsform ging haben wir uns für die Genossenschaft als Rechtsform entschieden.

Wir haben unsere internen Strukturen mit Soziokratie 3.0 in Arbeitskreisen aufgebaut und organisiert und treffen mit Hilfe dieser Methode unsere Entscheidungen.

Wir sind in über zehn thematischen Arbeitskreisen (wie nachhaltiges Wirtschaften und Unternehmer*innentum, Raumplanung, Bauen und Infrastruktur, Waldgarten und Permakultur etc.) organisiert. In diesen Kreisen arbeiten wir je nach Interesse und Kompetenz. Alle zwei Wochen gibt es einen Projektkreis, indem wir uns updaten und gemeinsam Entscheidungen treffen. Weiterhin gibt es in größeren Abständen, derzeit alle zwei Monate, die Generalversammlung der Genoss*innen, in denen Entscheidungen getroffen oder bestätigt werden, die Budget und Geländenutzung betreffen.

Wir entscheiden soziokratisch und arbeiten selbstorganisiert. Dennoch gibt es hier immer noch viele Herausforderungen – auch dadurch, dass wir teils dezentral arbeiten und nicht alle immer an einem Platz sind.

Einmal im Monat haben wir ein großes Teamtreffen, das mindestens ein Wochenende, teils auch eine Woche lang ist. Das ist wichtig, um uns immer wieder zu synchronisieren und gemeinsam zu wachsen.

 

Alle Welt spricht ja im Moment von “New Work”. Könnt Ihr mit diesem Begriff etwas anfangen? Und wenn ja, was bedeutet er für Euch?

Das Thema ist vor allem durch einige Organisationen, mit denen wir sehr eng vernetzt sind, Teil des Projekts. ZwischenRaum möchte durch Trainings, Retreats und Coaching, sowie diverse Formate zur Persönlichkeits- und Teamentwicklung zu einer lebendigen, kollaborativen Lern- und Arbeitskultur beitragen.
Da Sabrina beide Projekte mitgegründet hat, und Ceylan auch bei ZwischenRaum aktiv ist, besteht eine enge Verbindung. Wir führen Formate am Platz durch, hatten im Sommer dort ein Pop Up Office und tragen auch durch unsere Arbeit im Kreis Organisationsentwicklung Ansätze aus dem Bereich ins Projekt.

Open State beleben und entwerfen Räume, die Strategien und Prozesse entstehen lassen,  um eine bessere Zukunft erlebbar zu machen. So erfahren immer mehr Menschen und Organisationen anders zu arbeiten, besser zu entscheiden und gemeinsam zu führen. Auch J2C – Journey to creation begleitet Organisationen auf ihren individuellen Wegen der Transformation, indem sie Menschen unterstützen, mit der zunehmenden Komplexität und Geschwindigkeit im modernen sozialen und geschäftlichen Kontext umzugehen. Einige Genoss*innen sind Gründer*innen oder Teil der Unternehmen und lassen das Thema New Work somit an unterschiedlichen Stellen im Projekt einfließen. Sei es durch Mitarbeit und Prägung in einzelnen Arbeitskreisen, durch Expertise zur Gestaltung von Team Zeiten oder die Durchführung von Innovations-Camps wie das Open State of Politics letztes Jahr.

 

Was bedeutet es für Euch ein Enfant Terrible zu sein?

Den Mut zu haben, mir in einem spielerischen Umgang Strukturen rund um Alltag, Arbeit und Leben so zu erfinden und zu formen, dass sie mir entsprechen und ich aus vollem Herzen ja zu ihnen sagen möchte. Mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und mich auch in schwierigen Aufgaben und Situationen daran zu erinnern, auch die Perspektive eines Kindes einzunehmen: neugierig und mit der Bereitschaft zu lernen, auf Situationen einlassen. Mit ZwischenRaum ist es die Aufgabe und Leidenschaft, Übergänge zu kreieren, zu gestalten und zu begleiten. Es ist der starke Wille, immer wieder inne zu halten und zu reflektieren, ob der Weg noch der richtige ist oder eventuell eine Anpassung braucht. Menschen zu inspirieren, ihren eigenen Weg zu finden und diesen authentisch zu gehen.

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Kann man sich bei Euch engagieren, Euch unterstützen? Und wenn ja, was würde Euch helfen?

Für Wir bauen Zukunft suchen wir in erster Linie Projekte, die unser 10 Hektar großes Gelände mit Leben und Visionen füllen. Also Menschen, die selbstständig und eigenverantwortlich ihre Ideen bei uns umsetzen wollen.  

Außerdem führen wir in regelmäßigen Abständen “Makerblitze” durch, bei denen man ganz konkret unterstützen kann den Platz weiter aufzubauen und neu zu gestalten. Weiterhin gibt es viele spannende Seminare und Workshops, an denen man teilnehmen kann. Manchmal schreiben wir gezielt Praktika und Volunteer-Plätze aus – und wir freuen uns über Besuch zu unseren Besuchertagen!
Weiterhin freuen wir uns natürlich, wenn Menschen das Projekt finanziell unterstützen möchten, da wir immer noch im Aufbau sind!

 

Wer „Wir bauen Zukunft“ unterstützen möchte, kann sich sehr gerne direkt an Ceylan unter dieser Mail-Adresse: ceylan.rohrbeck@gmail.com wenden.

Und wer mehr über die Methode Dragon Dreaming lesen will, findet hier weitere Infos dazu.

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