♡ Über Buzzwords, Mut zeigen und Kobolde …

Quelle: Photo by Matthew Smith on Unsplash

Esther Konieczny ist die Mit-Gründerin von Kobold, einer Beratung für Purpose Design und Innovation. Uns verbindet eine Freundschaft, die mit einer schüchternen und mutigen Email und einem spontanen Kaffeetrinken begonnen hat. Seither ist Esther eine Wegbegleiterin, Unterstützerin und Inspiratorin. Mutig war sie auch von ein paar Wochen, als sie sich nämlich einfach selbständig gemacht hat.

 

Du hast Kobold gerade erst gestartet? Wieso hast Du Dich überhaupt in die Selbständigkeit gewagt und etwas Neues gestartet? Was treibt Dich an?

»Den Gedanken und Wunsch, selbständig zu sein und etwas Eigenes aufzubauen, habe ich schon lange – allerdings hatte ich auch immer sehr großen Respekt vor diesem Schritt. Schließlich war es letztes Jahr ein Impuls von außen, der ausschlaggebend war: Wir hatten uns mit einigen Kollegen zusammengeschlossen und die Idee, uns als Team zu bewerben. Bei drei Firmen haben wir unser Portfolio eingereicht und wir wurden tatsächlich von allen eingeladen. Beim Gespräch mit dem zweiten Unternehmen sagte der Geschäftsführer zu uns: „Ihr seid ein super Team. Warum macht ihr euch nicht einfach selbständig? Ihr habt alles, was ihr braucht.“ Ja, warum eigentlich nicht?! Mir wurde klar, dass wir tatsächlich alles haben, was wir brauchen: Wir sind ein supergutes Team, das schon lange zusammenarbeitet; wir wissen was wir können und anbieten wollen und wir finden, es ist an der Zeit nicht nur Mut zu predigen, sondern auch Mut zu zeigen ;-)«

 

Design Thinking wird ja im Moment oft als “Buzzword” bezeichnet. Was denkst Du dazu? Warum findest Du es eine gute Methode?

»Dass es zum Buzzword wurde, ist ja zunächst mal nur ein Indiz für die große Resonanz, die Design Thinking erzeugt hat. Und damit zeigt sich auch, dass Design Thinking einen Bedarf gestillt hat bzw. immer noch stillt, der da draußen in der Welt vorhanden ist. Glücklicherweise ist die Zeit der „Design Thinking-Titelstorys“ vorbei. Das ist gut, weil es mehr Ernsthaftigkeit in unsere Arbeit bringt. Und die braucht es auch, um zu erkennen, dass Design Thinking zwar ein großartiges Werkzeug ist, um Ideen und Lösungen in Teams zu entwickeln, gleichzeitig aber eben auch als Ansatz seine Grenzen hat. Hier kam es oft zu Missverständnissen, wenn Heerscharen von Mitarbeiter*innen vollkommen euphorisiert von einem 2-tägigen Design Thinking Workshop zurück in ihre „graue“ Unternehmenswelt kamen und sich schnell ein Kater der Ernüchterung breit machte. Als der Hype anfing, dachte man oft, es reicht, die Mitarbeiter zu einem Workshop zu schicken und schon werden alle von heute auf morgen kreativer und innovativer. Dass es hierzu viel mehr braucht als eine einzige Methode an zwei Tagen, hat sich erst später als Einsicht durchgesetzt.
Buzzword hin oder her: Ich mag die Methode nach wie vor sehr! Einerseits, weil es mich immer wieder beeindruckt, wie wir es mit Design Thinking in kurzer Zeit schaffen, systematisch Probleme zu knacken. Andererseits – und das finde ich fast noch wichtiger – weil ich beobachten kann, wie glücklich, erfüllt und zufrieden die Menschen sind, wenn sie die Erfahrung machen, mit einem ganz anderen „Mindset“ als Team zusammenzuarbeiten. In diesem Mindset liegt die wahre Stärke des Ansatzes. Der Rest ist Handwerk.«

 

Was hast Du von Design Thinking für Dich gelernt? Was würdest Du davon gerne weitergeben, mit uns teilen?

»Es sind viele Aspekte, die ich in meinen täglichen Umgang auch jenseits vom Job aus dem Design Thinking mitnehmen kann. Eine der wichtigsten Leanrings ist sicher, mit dem Verhalten zu brechen, die Antwort vor der Frage zu kennen, stattdessen aufmerksam zuzuhören – was im digitalen Dauerrauschen manchmal echt schwer fällt! – und den Kern eines Themas und Problems zu entdecken. Dazu gehört auch, auf eine sehr beliebte Einschränkung zu verzichten: ABER. Im Workshop motivieren wir dazu, das aber durch ein und zu ersetzen. Das kann auch eine verdammt gute Übung für den Alltag sein! Wenn man das mal einige Zeit praktiziert, merkt man schnell, dass sich die innere Haltung verändert: Plötzlich geht es nicht mehr darum, recht zu haben, sondern zu verstehen, zu erkennen.

Schließlich hat mich die Arbeit mit Design Thinking auch bestärkt, Intuition ernst zu nehmen. Wenn ich „Bauchimpulse“ bei mir oder bei anderen wahrnehmen, werden sie an- und ausgesprochen, damit wir damit arbeiten können. Wenn wir mit Komplexität konfrontiert sind, hilft uns der Verstand nur bedingt weiter. Dann sind es gerade diese Bauchimpulse, die sehr wertvoll sind.«

 

Was liebst Du an Deiner Arbeit? Was macht Dich so grundsätzlich glücklich beim Arbeiten? Und was macht Dich glücklich bei/mit Deinem Unternehmen?

»Ich liebe an meiner Arbeit, dass sie jeden Tag neu ist. Wir gestalten nicht nur „das Neue“ mit, sondern haben auch die Möglichkeit, immer wieder Neues auszuprobieren und andere Wege zu finden, die uns gemeinsam mit den Kund*innen weiterbringen.

Grundsätzlich glücklich macht es mich dabei, mit Menschen im Austausch zu sein, gute Beziehungen aufzubauen und gemeinsam etwas zu gestalten und zu verändern. Kobold steht für „gemeinsam kühn und mutig“. Birte und Teresa, die Mitgründerinnen von Kobold und ich, wir waren uns bei der Gründung einig: Wir schaffen das, weil wir es gemeinsam tun.

Es macht mich glücklich zu sehen, wie dieses Unternehmen immer mehr Form annimmt und entsteht und wie wir als Team und jeder Einzelne mit den Aufgaben wachsen. Wir sind in einem ständigen Lernmodus, probieren aus und experimentieren. So schaffen wir uns eine Arbeitswelt, die für uns passt, mit einer Marke, die zu uns passt. Das ist ein Prozess, der viel Spaß macht, nicht immer leicht ist, aber erfüllt, weil er eine sehr starke Bindung und Verbindung herstellt zwischen dem, was ich tue und dem, was ich bin.«

 

Warum engagierst Du Dich für “neues Arbeiten”? Und was ist denn Deine Definition davon?

»Viele unserer Kunden kommen zu uns, weil sie merken, dass die Art und Weise wie sie ihre Arbeit organisieren, nicht (mehr) funktioniert. Das ist kein Einzelphänomen. Egal, ob wir auf die Individual-, die Organisations- oder die gesellschaftliche Ebene schauen: Überall zeigen sich Symptome eines Systems, das an seine Grenze stößt. Gleichzeitig sind wir in der komfortablen Situation, dass wir uns – mit den Worten des Designers Bruce Mau gesprochen – die Frage stellen können und sollten: „Now that we can do anything, what will we do?“ Frithjof Bergmann hat die Teilnehmer seiner Projekte immer wieder danach gefragt, „was sie wirklich, wirklich tun wollen“. Das spannende an der „Neuen Arbeit“ ist für mich, genau diese Fragen zu stellen. Sie sind der Ausgangspunkt dafür, dass Menschen sich selbst verorten, Haltung einnehmen und Arbeit zu etwas werden kann, in dem sie selbst vorkommen – und nicht nur etwas, wofür sie am Monatsende Geld bekommen.

Wir, die Gründerinnen von Kobold, haben uns bewusst entschieden, unsere Tätigkeit als „Purpose Design“ zu beschreiben. Am Anfang steht für uns immer die Frage nach dem Warum. Was ist der Sinn und Zweck? Warum tun wir, was wir tun? Was hat das eigentlich mit mir zu tun? .Wenn hier keine Klarheit herrscht, gibt es keine Ausrichtung und ohne Ausrichtung fühlt sich jedes Handeln leer und „entkoppelt“ an. „Neue Arbeit“ ist für uns damit vor allem die konsequente Konfrontation mit der Frage nach dem Sinn und Zweck. Das ist der erste Schritt hin zu mehr Bewusstheit, Selbstbestimmung und Verantwortung.«

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