„Bad Banks“ und ein forscher Blick auf die Angst

Quelle: Photo by Ennio Dybeli on Unsplash

Angst ist weder ein geschätztes Thema noch ist es ein geliebtes Wort.

Und doch ist es ein wichtiges Thema, um das Menschen nicht drum herum kommen.
Nicht die Steinzeitmenschen und auch nicht in den heutigen Zeiten.

Die Verhaltensweisen, mit denen Menschen auf Angst reagieren, sind normalerweise an einer Hand abzuzählen.
Weglaufen und Ignorieren, »Augen zu und durch!«, Kämpfen, in aktive Panik verfallen oder zur Salzsäule erstarren.

Allen diesen Möglichkeiten ist gemeinsam, dass wir weder die sinnlich neuronale Emotion* von Angst, noch die dazu passenden Bilder oder Gedanken erfahren und spüren möchten.
Einfach deshalb, weil es sich zu beängstigend anfühlt.

Für fast alle Menschen ist der Umgang mit Angst von Kindesbeinen an grundlegend prägend und zu weiten Teilen lebensbestimmend.
Angst ist also ein essentielles Thema des menschlichen Zusammenlebens und dadurch auch von (guter neuer) Arbeit.

Menschen die keine Angst vor der Angst haben, beziehungsweise nicht mit den vorher genannten Strategien auf Angst reagieren, sind als Psychopathen und Soziopathen bekannt und zu Recht gefürchtet.

Die Menschen mit intaktem sozialen Gewissen, welches sie konstant daran erinnert, dass ein Regelverstoß soziale Ächtung zur Folge haben könnte, das sind Menschen die Angst, Schuld, Scham und andere Emotionen und Gefühle spüren können.

Angst auf dem Bildschirm.

„Bad Banks“ ist eine sechsteilige deutsch-luxemburgische Thriller-Serie, die noch bis Ende August 2018 in der ZDF-Mediathek zu sehen ist.

Paula Beer spielt Jana Liekam, eine junge und sehr ehrgeizige Investmentbankerin, die vor allem eins extrem gut kann: sich anpassen.

Jana Liekam hat regelmäßig Panikattacken. In diesen Momenten verliert sie ihre sonst vorbildliche und undurchschaubare Kontrolle. Sie bekommt keine Luft mehr und sie kann sich kaum noch auf den Beinen halten.

Neurophysiologisch gesehen versetzt uns die Erfahrung von Angst in eine erhöhte Wachsamkeit.

Adrenalin durchströmt unseren Körper und wir sind bereit zu rennen, zu kämpfen oder zu erstarren.
Je nachdem, was am besten passt. Perfekte Anpassung eben.
Tiere in freier Wildbahn zeigen uns diesen Mechanismus noch in gesunder und flexibler Art und Weise.
Bei Menschen ist diese „Wildnatur“ durch Erziehung, Bildung, Kultur und Gesellschaft sozial geprägt.
Das hat Vor-und Nachteile.

Verschiedene Reaktionen auf Angst.

Jana durchschaut smart das Spiel von Intrigen und menschlichen Abgründen und weiß dies schnell für sich zu nutzen.
Gleichzeitig haut ihre Angst sie immer wieder um. Sie steigert sich in Panik rein, die für sie existenziell ist.

Ihr Mentor im Film, Investmentchef Gabriel Fenger (Barry Atsma) beruhigt sie mit echtem Mitgefühl, dem Versprechen »dass die Ängstlichen die Gefährlichsten sind und »dass die Angst nur im Kopf stattfindet.«

Fenger reagiert auf Angst charismatisch und kämpferisch-aggressiv. Beim Blick hinter die Fassade sieht man jedoch, dass auch er nicht immer mit dem Zucker in die Espressotasse trifft, wenn er aufgewühlt ist.

Eine weitere Hauptfigur in der Serie ist Christelle Leblanc (gespielt von Désirée Nosbusch).
Die elegante graumelierte Topbankerin, verzieht in Gesellschaft anderer Menschen kaum eine Miene, während sie auf der Toilette vor Wut schon mal einen Handtuchspender von der Wand reißt.
Ansonsten spürt sie die wunden Punkte ihrer Mitmenschen auf und manipuliert, dass einem Hören und Sehen vergeht.

Andere Ausdrucksformen der Investmentbanker, mit Stress, Angst und Druck umzugehen, sind Gewalt, Drogen, Sex und schnelle Autos.
Süchte aller Art, die betäuben und den Stress für einen Moment vergessen lassen.

Die erstklassige und zeitgeistig-moderne Serie zeigt uns all das ohne moralisch zu sein und ohne alles bis ins Detail zu erklären.
Das ist toll und erlaubt einen Blick auf das viel zitierte »Wofür?«

Jana Liekam »weiß es nicht, braucht es aber.«

Alle suchen etwas.

Und wahrscheinlich beinhaltet diese Suchen auch immer ein Suchen nach Werten.
Sei es in Form von Geld, Macht, Verbundenheit, Loyalität oder von Selbstwert.

Der passende und kontinuierlich aktualisierte Umgang mit unangenehmeren Emotionen wie Angst spielt eine wesentliche Rolle auf dieser Suche.
Angst assoziierte Körperempfindungen wie Enge, Kribbeln, Kälte oder Hitze zu spüren und beinhalten zu können, kann ein Schlüssel für große Klarheit, erhöhte Aufmerksamkeit und für ein Gefühl von Wertigkeit sein.

Eine gewisse Ruhe im Verstand, nimmt Gefühlen die Wucht aus den Segeln und ermöglicht einen Überblick und Kommunikation ohne Bewertung und ohne Aggression.

Wenn ich mit Angst umgehen kann, brauche ich nichts, was mich betäubt und ablenkt.
Und ich bin weniger manipulierbar.

So gewinnen wir Angst als Unterstützung bei jeglicher Art von „Inner Work“ und sind ziemlich gut ausgestattet, um mit allen komplexen Veränderungen, die noch passieren werden, einen Weg zu finden.

* Nach dem portugiesischen Neurowissenschaftler Antonio Damasio sind Emotionen Veränderungen im Körper, wenn man emotional ist. Gefühle hingegen sind die kognitive Entsprechung, welche man durch die körperlichen Empfindungen hat.

 

Bad Banks gibt es hier in der ZDF Mediathek (verfügbar bis 31.08.2018). Und hier ist noch ein Interview mit Paula Beer, der Hauptdarstellerin von „Bad Banks“.

katrin pauline

Hallo, ich bin Katrin Pauline Müller. Meine Vision von freien, vielfältigen und menschlichen Formen des Ausdrucks und der Kommunikation, setze ich als freie Texterin und Autorin gleich praktisch um. Ich mag Kultur und Natur, Farben und Geschmäcker. Und ich liebe Musik ebenso wie Stille.

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